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Eisenbahnlinie Pasing-Herrsching vor 120 Jahren eröffnet

Hechendorf – Der 120ste Geburtstag der Eisenbahnlinie Pasing-Herrsching ist es allemal Wert, Rückblick zu halten. Es gäbe viel zu erzählen. Heute aber geht es weniger um die durchaus interessanten Umstände, wie es zu der Entscheidung kam, als Endstation nicht den damaligen Verkehrsknotenpunkt „Stegen“ am Ammersee, dort herrschte bereits ein reger Schifffahrtsverkehr inklusive Tourismus, sondern Herrsching zu nehmen. Und das, obwohl die heutige Ammersee-Metropole damals nichts zu bieten hatte (dazu mehr in einer der nächsten Episoden). Heute aber soll Otto Gleixner zu Wort kommen, dessen Vater anno 1937 als Bahnbediensteter an den Bahnhof Seefeld-Hechendorf versetzt wurde. In Robert Bopps Chronik „100 Jahre Bahnstrecke…“ (der Autor verstarb vor vier Jahren in Weßling), erschienen 2003, erinnert sich Otto Gleixner an seine Kindheit und erzählt aus seiner Sicht, wie er das Geschehen aufgenommen hat.

„Als mein Vater 1937 an den Bahnhof Seefeld- Hechendorf versetzt wurde, war ich gerade drei Jahre alt. Im Nebengebäude befand sich ein öffentliches WC und eine Waschküche. Hier konnten die Frauen Wäsche waschen. Gelegentlich wurde der große Kessel auch am Samstag angeheizt und dann konnte ich dort in einer großen Badewanne baden. Das war ein Vergnügen, besonders wenn es dazu noch grünes Badesalz gab.
Im Foto: Otto Gleixner mit seiner persönlichen ersten Eisenbahn

Die drei Eisenbahnerfamilien, meine Eltern, der Bahnhofsvorstand im ersten Stock und der dritte Mann im Anbau neben der Wartehalle, hatten auch Gärten. Die Gemüsegärten waren gegenüber vom Bahnhof auf einem Geländeabsatz, der zu Gunsten der Parkplätze abgegraben worden ist.“ In Punkto Ausflugsverkehr an den Wochenenden erinnerte sich Gleixner an wahre Völkerwanderungen: „In Seefeld-Hechendorf stiegen tagsüber viele Leute aus und gingen, beladen mit Taschen, Rucksäcken und Handtuchrollen, zu den Badeplätzen am Pilsensee in Seefeld und zum Wörthsee. Ein besonderes Schauspiel war es dann für uns Bahnhofsbewohner, wenn ein Gewitter kam, oder wenn es gar schon regnete. Hunderte und mehr Badegäste flüchteten sich in die Bahnhofshalle. Kam der Zug, wollten alle gleichzeitig durch die Sperre. Wer durch war, stürzte in den Zug, der ja schon von Herrsching herkommend voll war. Es war ein tolles Schauspiel vom trockenen Standort aus im zweiten Stock zu beobachten, was sich da unten alles abspielte.“


Als das Eisenbahnzeitalter begann, wurden die Bahnhöfe entlang der Stationen Gilching, Weßling, Wörthsee, Seefeld-Hechendorf und Herrsching zweistöckig erbaut. Die Wartehalle aber war mit einer geöffneten Arkade zu den Bahngleisen hin ausgestattet. Angrenzend gab es ein einstöckiges Nebengebäude sowie eine Güterhalle mit Rampe. Das eigentliche Stationsgebäude diente zur Aufnahme der Dienst- und Wohnräume des Bahnhofspersonal und des Warteraums, im einstöckigen Nebengebäude waren öffentliche Toiletten- und Waschräume untergebracht. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Pasing-Herrsching im Juli 1903 begann für die Menschen ein wahrlich neues Zeitalter. Anfangs verkehrten werktäglich drei Personenzüge und für den Güterverkehr zwei extra Züge. Um dem boomenden Ausflugsverkehr Rechnung zu tragen, wurden außerdem an wettermäßig schönen Wochenenden zusätzlich zwei weitere Verbindungen angeboten. Eine einfache Fahrt von Pasing nach Herrsching kostete damals 2,10 Mark in der zweiten Klasse, beziehungsweise 1,40 Mark für die dritte Klasse.

Die Bahnlinie brachte vor allen Touristen an die Seen. Ziel war unter anderem auch die Badeanstalt Fleischmann am Wörthsee. Aus einem alten Prospekt ist nachzulesen, dass sich der Besitzer Aloys Fleischmann Ende der 20er Jahre etwas einfallen hat lassen, um mehr noch Badegäste anzulocken. Auf seine Initiative hin wurden bei schönem Wetter sonntags so genannte Badezüge eingesetzt. Die Bahnreisenden aber ließ er durch eine Kapelle seines Hotels mit viel Musik abholen und durch den Ort bis zum Strandbad Fleischmann begleiten. Die Badezüge verkehrten laut Robert Bopp bis Ende der 50er Jahre.


Uli Singer

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