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In Memoriam: Rudi Schicht – ein Urgestein mit Durchsetzungskraft

In einem letzten Interview erzählt Rudi Schicht wie es zur Gründung der VHS kam

Gilching – Vor gut zehn Jahren starb Rudi Schicht. Unsterblich aber bleibt er in seiner Heimatgemeinde Gilching. Hier gibt es nämlich fast nichts, was nicht irgendwie seine Handschrift trägt. Unter anderem gehören dazu der Verein Zeitreise, von Schicht einst unter archäologischer Verein ins Leben gerufen, die Volkshochschule, die er mit gründete (siehe Video), das Blasorchester sowie der Männergesangverein Gilching, dem er von 1949 bis 1982 als Dirigent angehörte. Politisch engagierte sich der gebürtige Sudetendeutsche zeitlebens für die SPD. „Er ist ein Mann der ersten Stunde. Schicht beeinflusste über Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Landkreises“, sagte der ehemalige SPD-Kreisvorsitzende Tim Weidner anlässlich der Verleihung der Georg-von-Vollmar-Medaille, die als höchste Auszeichnung innerhalb der SPD gilt.


Sein letztes Interview, aufgenommen im Frühjahr 2011

1946 war Schicht 26Jährige aus der amerikanischen Gefangenschaft nach Hechendorf an den Pilsensee gekommen. Kaum die wenigen Klamotten ausgepackt, trat er der SPD bei und wurde auch gleich in den Flüchtlingsausschuss des Landkreises Starnberg gewählt. „Und dann ging’s auch schon los mit der Politik“, sagte Schicht einmal. Um nicht nur zu politisieren, sondern auch den Magen voll zu bekommen, schlug er sich vorerst als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft durch. „Als ich dann eine Lehrerstelle angeboten bekam, entschied ich mich für Gilching. Der Ort zwar arm und vieles war noch verbesserungswürdig. Das war aber für mich eine Herausforderung, es zu richten.“ Und Schicht packte an. Von 1948 bis 1992 saß er sowohl im Gemeinderat in Gilching als auch im Starnberger Kreistag. Von 1962 bis 1980 hatte er die Ämter des stellvertretenden Landrats und des dritten Bürgermeisters von Gilching inne. Für seine vielen Verdienste wurde Schicht 1978 das Bundesverdienstkreuz sowie 1993 die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Gilching verliehen.

Eine Herzensangelegenheit war Schicht allerdings stets Sorge um eine gute Schulbildung sowie die Erforschung der Heimatgeschichte. Als Archivar der Gemeinde veröffentlichte er unter Mitwirkung von Hans Lampl aus Geisenbrunn unter anderem fünf  aufwendige Orts-Chroniken.

Auf dem Foto stellen Schicht (links) und Lampl im Jahr 2004 das fünfte Heimatbuch vor.  

Rudi Schicht starb am 28 April 2012 im Alter von 91 Jahren. Sein Grab kann am Friedhof bei St. Vitus besucht werden. In Gedenken an Gilchings ersten Kümmerer werden die Ausstellungen im archäologischen Museum im Wersonhaus auch „SchichtWerk“ genannt. 


Uli Singer

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