Junge Leser

Gilchinger Bürger fielen auf Betrüger herein

Dem Goldmacher Tausend gingen sie alle auf dem Leim

Mit Sicherheit seid Ihr schon einmal durch einen Ort spaziert, wo plötzlich ein Straßennamen auftauchte, der Rätsel aufgab. Weil er vielleicht auf ein Ereignis hinweist, das zu einer Zeit passierte, als Ihr noch gar nicht geboren ward. Da gibt es zum Beispiel die Pollinger Straße in Gilching, wo man sich aus heutiger Sicht frägt, was hat Gilching mit dem Ort Polling hinter Weilheim zu tun. Rein gar nix, meint Ihr. Irrtum? Einst hatte nämlich das Kloster in Polling auch Ländereien in Gilching und vorgeblich auch entlang der heutigen Pollinger Straße. Mehr spannend aber ist die Geschichte des Goldmacher Weges. Das kleine Gasserl unterhalb des Steinbergs in Gilching wurde zu Ehren einer äußerst fragewürdigen Person so getauft. Der Typ nämlich, der sich vor gut 90 Jahren am heutigen Goldmacher Weg mit Unterstützung eines bekannten Gilchinger Bürgers ein Labor einrichtete, hieß Franz Tausend und erzählte den Menschen, er könne aus ein paar billigen Zutaten reines Gold herstellen. Auf seinen Trick, wie er es bei diversen Demonstrationen tatsächlich, kam man auch später nicht. Er muss außerdem ein charmanter Zeitgenosse gewesen sein, denn unter anderem fielen auch im Landkreis etliche namhafte Bürger auf den Scharlatan herein. Sie arbeiteten nicht nur kostenfrei für ihn, sondern investierten auch ihr ganzes Geld im Hinblick auf den zu erwartenden Reichtum. Einer der ersten der auf ihn hereinfiel, war Hitlers General Erich Ludendorff aus Tutzing. Eine Illustration/Karikatur von Ludendorff veröffentlichte die SPD 1925 in der vereinseigenen Zeitung “Münchner Post“. Links eine Illustration von Tausend (Verfasser nicht bekannt).

Irgendwann flogen Tausends Betrügereien natürlich auf. Am 5. Februar 1931 wurde er wegen „versuchten und in sich fort gesetzten Betruges“ zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Im Februar 1933 verschwand er sang- und klanglos. Übrigens: Mir wurde ganz schön viel Schweigegeld angeboten, damit ich die Namen der Gilchinger Bürger sowie auch eines Weßlingers, die blauäugig auf diesen Schwindler herein gefallen sind, nie in meinen Geschichten erwähne. Dazu nur so viel: Ich hatte das Schweigegeld abgelehnt. In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen und, schaut doch mal oben am Goldmacher Weg vorbei. Vielleicht liegt da ja noch irgendwo ein kleines Stückchen Goldklumpen herum. Uli Singer

Uli Singer

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