Literatur

Die Buch-Entdeckerin: Renate Richter

Zwei Bücher für die Sommerzeit

Empfehlung 1: Der Salzpfad von Raynor Winn

Ein Ehepaar kommt durch falsche Beratung in Geldsachen und fehlender Vertretung vor Gericht um seinen Bauernhof in Cornwall, mit dem es den Lebensunterhalt verdient. 

Alle Tiere des Hofes haben schon einen neuen Besitzer gefunden – nur ein uraltes Schaf steht noch auf der Weide und die Ich-Erzählerin weiß nicht, wie sie die Räumung des Hofes noch verzögern kann.

Am folgenden Tag kommt das Tier nicht, wie seit Jahren jeden Tag, an das Gatter. Die Besitzein sucht es, und findet es tot unter einem Busch. Nach der Beerdigung des Schafes packen Raynor und Moth ihre Siebensachen in zwei Rucksäcke und begeben sich auf eine monatelange Wanderung am Meer entlang in Richtung Süden.Bevor es losgeht, muss Moth, der Ehemann, noch zum Arzt, wo er eine niederschmetternde Diagnose erhält. CBD, eine kortikobasale Degeneration, die das Gehirn beeinträchtigt, langsam zum Tode führt und nur post mortem sicher diagnostiziert werden kann. Der Arzt meint: „Schonen Sie sich, seien Sie vorsichtig beim Treppensteigen und gehen Sie keine langen Strecken.“

Trotzdem marschieren die beiden los, von Minehead nach Lands End, immer der Küste entlang.

Die Wanderung tut Moth gut, er hat weniger Beschwerden als vorher und weil die beiden wegen Geldmangel oft nicht genug zu Essen haben, geht es viel langsamer vorwärts, als der eingepackte Wanderführer angibt, aber sie kommen stetig weiter.

Ray und Moth lernen Menschen kennen, sie sich von ihrer Obdachlosigkeit nicht abschrecken lassen, lernen nach dreißig Jahren Ehe ihre Beziehung wieder neu schätzen und finden ganz am Ende der Reise an der Südküste von Cornwall ein neues Heim.

Das Buch ist eine wahre Geschichte sie ist 2018 in England erschienen.

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Empfehlung 2: Retour  von Alexander Oetker (siehe Titelfoto!)

Mein neuer Lieblingskommissar heißt übrigens nicht Guido Brunetti und auch nicht Kluftinger. Mein Neuer heißt Luc Verlain und ermittelt in Bordeaux.

Ein Jahr lang lag der erste Roman der Reihe mit dem sympathischen Kommissar auf dem Stapel meiner ungelesenen Bücher – in diesem Sommer nun habe ich das Buch mit ins Schwimmbad genommen und in einem Rutsch gelesen. (Schwimmen war ich dazwischen auch).

Luc Verlain stammt von der Atlantikküste, hat in Paris Karriere als Ermittler gemacht und hat sich wegen der Krebserkrankung seines Vaters zurück nach Bordeaux versetzen lassen. Der Roman setzt mit der Rückfahrt ein – und schildert die Missmut, die ihn in vertrauter Gegend befällt. Seine derzeitige Freundin ist in Paris geblieben und er weiß nicht, ob die Beziehung hält und ob sie ihm überhaupt wichtig ist. 

Die Begrüßung der neuen Kollegen ist zwiespältig – der bisherige Chef der Brigade fürchtet Konkurrenz – die anderen KriminalpolizistInnen sind freundlich und heißen Verlain willkommen.

Normalerweise passiert im Westen Frankreich nicht viel, aber gleich am ersten Arbeitstag wird die Leiche einer jungen Frau am Strand von Lacanau-Océan aufgefunden. Alles deutet auf ihren jugendlichen Freund hin, auch der Stiefvater der Frau beschuldigt den aus Algerien stammenden jungen Mann. Die Ermittler sind unterschiedlicher Meinung. Luc Verlain hält den Jungen für unschuldig, der Leiter der Brigade glaubt, dass sie den Täter schon gefunden haben. Aus diesem Grund gibt es auch polizeiinterne Verwicklungen. Luc Verlain und seine Kollegin Anouk sind bei den Ermittlungen schon bald ein eingespieltes Team und man darf erwarten, dass auch die zwischenmenschliche Seite nicht zu kurz kommt.

Der Autor Alexander Oetker schreibt spannend, hat einen sehr angenehmen Stil und kennt sich aus in der Gegend – schließlich war er längere Zeit RTL-Korrespondent in Frankreich.

Die Reihe um Luc Verlain hat inzwischen vier weitere Bände: Chateau Mort, Winteraustern, Baskische Tragödie und Rue de Paradis sind ebenfalls sehr lesenswert.

Im Buch Chateau Mort geht es um den real existierenden Marathon durch das Weingebiet Medoc bei dem die Läufer kostümiert antreten und es als „Erfrischung“ bei den Winzern Rotwein gibt. Im Weingut von Verlains bestem Freund Richard wird ebenfalls  Rotwein gereicht. Bald darauf bricht der erste Läufer zusammen und kurze Zeit später der sympathische Winzer Hubert. Die Ambulanz kommt beim Winzer zu spät, um ihn zu retten und für die Ermittler aus Bordeaux gibt es einen neuen Fall.

Für alle weiteren, bisher erschienenen, Krimis der Reihe habe ich zum Lesen nicht so lange gebraucht und warte deshalb dringend auf den sechsten Band, der im September erscheinen soll.

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir rechts den Spenden-Button eingerichtet. Nur als Beispiel stehen da 20 Euro mit drauf, es kann aber jeder, der uns unterstützen will, auch mehr, aber selbstverständlich auch weniger, überweisen. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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