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Kater Grigio fehlt an allen Ecken und Enden

Die Hoffnung stirbt zuletzt - irgendwann wird uns Grigio wieder zum Lachen bringen

NEUE SERIE – Teil 3: MEIN LIEBLINGSTIER
erzählt und fotografiert von Uschi Kübrich aus Gilching

Es gab in meinem Leben schon einige Katzen. Aber nach dem Tod meines geliebten Katers Jumpy vor zwei Jahren, er wurde 18 Jahre alt, erfüllte ich mir letzten Sommer einen Wunsch – und nahm gleich zwei junge Katzenbewohner auf: Micio (italienisch: Miez), ein Halbtiger und Grigio (italienisch: der Graue) ein Tiger. Sie zogen nicht nur in unser Haus ein, sondern auch in unser aller Herzen. Dass ich mich aber heute in meiner Geschichte insbesondere auf Grigio fokussiere, gleichwohl auch unser Micio ein äußerst liebenswertester Kater ist, liegt daran, dass Grigio vor Wochen auf Abenteuerreise gegangen und bis heute nicht wieder aufgetaucht ist. Er fehlt uns allen.


Als Micio und Grigio bei uns einzogen, wurden sie von allen Seiten herzlich begrüßt und mit Geschenken wie Stoffmäusen und Katzenspiele überhäuft. Doch damit nicht genug. Unsere drei bezaubernden Enkelkinder richteten für die Neuankömmlinge sogar eine Katzen-Übernachtungsparty aus. So gewöhnten sich alle schnell aneinander. Ich war überglücklich und konnte die Augen kaum von meinen allzu lieblichen Kätzchen lassen. Die Brüder waren einfach zu lustig und manches Mal wusste ich gar nicht, mit wem ich zuerst mit dem Knuddeln anfangen sollte. Ein kleiner Krauler unter dem Kinn und schon ging die Schnurrsymphonie los. Sie kommen ja auch aus gutem Hause, sind verschmust, zutraulich, verfressen und haben zudem null Bock auf „Krallenalarm“.



Obwohl Geschwister und innig miteinander verbunden, unterscheiden sie sich sehr in ihrem Verhalten. Während Grigio das Abenteuer sucht, liebt Micio die Bequemlichkeit und die Ruhe (ein bisschen wie ich!). Grigio aber passt gut auf sein Brüderchen auf und ist zudem eine große Plaudertasche. Er maunzt wortstark und kommt auch richtig zur Sache, wenn ihm etwas nicht passt. Dem abenteuerlustigen Grigio ist auch kein Baum, kein Strauch und keine Hecke zu steil. So manches Mal, wenn ich im Garten arbeite, höre ich ein langgezogenes „Miau“ von der Hecke herüber und ich sehe den Verwegenen auf eben dieser munter entlang spazieren, sich dann wie ein Vogel von oben herabzustürzen, um mich heldenhaft und zugleich freudig zu begrüßen.


Besonders unser Enkelkind Sophia hat es Grigio angetan. Er liebt sie abgöttisch. Ist sie ihm doch vom Charakter her sehr ähnlich. Temperamentvoll und unerschrocken. Ich möchte jetzt behaupten, die beiden haben sich gesucht und auch gefunden. Das geht soweit, dass sich Grigio als Romeo entpuppt, sieht er Sophia auf dem Balkon spielen. Dann ist er nicht mehr zu halten. Doch anstatt die Geliebte nur anzuschmachten, klettert er todesmutig in „katzenhafter“ Windeseile über die Pergola Richtung Balkon, nicht ohne seinen Besuch mit lautstarkem Miau anzukündigen. Glücklich liegt er dann in Sophias Armen, um die heiß ersehnte Kuschelstunde zu genießen.


Grigio ist aber auch sehr hilfsbereit, insbesondere dann, ist eine Mal- und Bastelstunde bei unseren Enkelkindern angesagt. Ob es an den Süßigkeiten liegt? Werden sie nicht sofort in Sicherheit gebracht, verschwinden sie auf eine andere nicht erklärbare Art und Weise. Insbesondere Windbeutel sowie Popcorn sind Grigios große Leidenschaft. Was Grigio noch gerne macht, eher aber eine Eigenschaft von Hunden ist: das Apportieren von kleinen Stöckchen und Stoffbällen. Zu meinem Missfallen aber schleppt er oft auch Laub und Äste aus dem Garten ins Wohnzimmer. Obwohl, bei näherem Nachdenken möchte ich schon feststellen, dass mir herbstliche Blätter allemal lieber sind als Mäuse uns anderes Getier.


Leider hat er neben all seinen positiven Eigenschaften auch eine für mich unangenehme Eigenschaft, sich ohne abzumelden auf Wanderschaft zu begeben. Und das, obwohl er kastriert ist, sucht er immer noch das Abenteuer und verschwindet für ein paar Tage. Doch aus seinem jüngsten Ausflug ist er bis heute nicht mehr zurück gekehrt.

Es war Samstag, 17. Juli. Mein Mann Oliver und ich saßen gemütlich beim Frühstück und beobachteten nebenher Grigio, wie er sich noch einmal genüsslich an seiner Katzenminze rieb, um dann das Weite zu suchen. „Er wird schon wieder kommen“, hoffte ich inständig. Doch weder Suchanzeigen noch Flyer, die ich in der Nachbarschaft verteilte, nutzten etwas. Grigio blieb bis heute verschwunden.


Jeden Morgen, wenn ich aufwache, gehört mein erster Gedanke unserem Ausreißer. Oft höre ich sein unverkennbares „Miau“, hoffe, er steht an der Terrassentüre und will rein, doch nichts dergleichen. Mögen auch viele denken, „ist doch nur ne Katze“. Doch für einen Tierbesitzer ist eine Katze nie „nur“ eine Katze oder ein Hund, „nie nur ein Hund“. Grigio aber war ein ganz besonderes Geschenk und wir alle hoffen sehr, dass dieser nicht der letzte Sommer war, den wir gemeinsam verbringen durften.

Einziger kleiner Trost ist Grigios Bruder Micio. Auch er vermisst seinen Grigio und sucht ihn auch noch gelegentlich. Und, er hat ein wenig das liebenswerte Plaudern von Grigio übernommen. Nun hoffen wir alle, dass es Grigio dort, wo er sich gerade aufhält, schön langsam langweilig wird und er gesund und gut erholt zurück kommt.

Uschi Kübrich, 25. August 2023


Uschi Kübrich

Uli Singer

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