AllgemeinLandkreis Starnberg

Die Heimat reicht vom Starnberger- bis zum Wörthsee

Leben und arbeiten in einer Region, die vielen Ideen freien Raum lässt

Der Begriff Heimat ist für mich sehr wichtig. Ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die sagen, sie seien überall zu Hause und spürten keinerlei Heimatgefühle. Nein, ich hänge an meiner Heimat!  Ich hänge an jedem Berg, an jedem See, an jeder Wegkreuzung und an jedem Fußweg. Ich hänge auch an Erinnerungen seit meiner frühesten Kindheit. Erinnerungen an Pfade, die ich mit dem Fahrrad gefahren bin – und, ich weiß auch noch jede Kurve, jeden Anstieg und die Stellen, wo ich Pfützen umfahren musste. Heimatgefühle sind für mich Glücksgefühle. Sie sitzen ganz tief im Innern und senden von dort ihre Wohlfühl-Strahlen im ganzen Körper aus. Die Folge ist, dass ich in meinem Leben nicht weiter herumgekommen, als vom Starnberger See zum Wörthsee, von dort in den Süden Münchens und wieder zurück zum Starnberger See.

Meine Kindheit verbrachte ich auf einem Grundstück meines Vaters am Starnberger See. Wir hatten ein Häuschen mit Steg und auch ein Boot. Das alles aber hatte für mich keinen Reiz. Zudem fiel das Hanggrundstück steil nach Westen ab – was zur Folge hatte, dass die Sonnenstrahlen bestenfalls gegen vier Uhr nachmittags unser Grundstück streiften. Und so fror ich, egal ob die Sonne schien oder ob es regnete. Sonntags fror ich besonders, weil ich da, so war es früher üblich, ein schönes aber viel zu dünnes Sonntagskleid anziehen musste, das zudem kratzte und juckte. Da blieb mir nur, so oft es ging, heimlich die Schlafanzugjacke unter dem kratzigen Kleid anzulassen. Bis es entdeckt wurde, ich die Schlafanzugjacke ausziehen und weiter bitterlich frieren musste.

Im Alter von acht Jahren, ich erinnere mich noch gut daran, verkaufte mein Vater endlich dieses ungeliebte Seegrundstück. Wundert es, dass ich diesem Verkauf keine Träne nachweinte? Vorbei die Zeit mit kratzigen Sonntagskleidern auf einem stets schattigen Seegrundstück. Als Begründung für den Verkauf gab mein Vater damals an, dass es zu viele Einbrüche von der Seeseite her gegeben habe.

Dies war nur ein kleiner Ausflug in meine Heimat, die, wie gesagt, am Starnberger See begann… und, wohin ich nach einer aufregenden Zeit des Erwachsenwerdens im Münchner Süden auch wieder zurück kehrte. Mittlerweile hatte ich drei Kinder und meine Liebe zur Kunst generell, insbesondere aber zur Musik, Malerei und Bildhauerei entdeckt. Mit diesem Rüstzeugs galt es nun auch sesshaft zu werden. Mein Lebensmittelpunkt spielte sich fortan zwischen dem Starnberger See, wo ich wohne, dem Wörthsee und dem Münchner Süden ab. Um auch in Wörthsee heimisch zu werden, habe ich mir dort in einem gemütlichen Wochenendhäuschen ein Zeichenatelier eingerichtet.

Meine Heimat ist, zugegeben, räumlich etwas begrenzt. Jedoch sind meine selbst gewählten drei Lebensmittelpunkte unter inspirierende Regionen einzuordnen, in denen es Spaß macht, Ideen zu entwickeln, mit Menschen Musik zu machen oder aber auch mal unkontrolliert über die Wiesen zu laufen. Mittlerweile kenne ich jede Straße, jede Abzweigung, jeden Baum, jeden Badeplatz. Ich liege am Ufer vom Wörthsee, sehe all‘ die Häuser und Wälder, die Zelte und Wohnwägen, die mir seit vielen Jahren vertraut sind. Ich liege am Starnberger See, zähle die Enten, überlege, wie alt wohl das Schilf hier sein mag und freue mich beim Anblick der vertrauten Silhouette der Stadt Starnberg. Und ich kenne viele Menschen, die mir begegnen, auf einen Ratsch stehen bleiben oder aber auch mal fragen, was ich denn von einem Projekt halte. Alles um mich herum ist Heimat. Ich mag dieses einzigartige Gefühl und hoffe, es nie zu verlieren.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Weihnachten und, falls wir uns mal begegnen sollten, bleiben Sie einfach stehen und verwickeln Sie mich in ein Gespräch. Darüber freue ich mich.

Ihre Gisela Forster





Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir gut versteckt - nein, es kommt auf das Endgerät an - einen Spenden-Button eingerichtet. Da steht bewusst keine Summe drauf, damit jeder, der uns unterstützen will, spenden kann, was möglich ist. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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