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Ab sofort heißt es „ausgepfuscht“ – Initiative gegen Massenkonsum

Gilching – Ja, „ausgepfuscht“, und dies auch klein geschrieben, so heißt tatsächlich der neue Verein, der vor wenigen Monaten ins Haus der ehemaligen Vitus-Apotheke an der Römerstraße in Gilching eingezogen ist. Als „ausgeflippt“ möchte man die sechs Initiatoren nennen, die mit unheimlichem Elan, handwerklichem Geschick und einer fast diebischen Freude, alten Sachen neues Leben einhauchen.

„Offene Werkstatt Gilching“ steht neuerdings in großen Lettern am historischen Apotheker-Häuschen. Wie berichtet, eröffnete in dem Gebäude an der Römerstraße 28 am 20. März 1950 Gilchings erste Apotheke. Sie ist vor einem Jahr in das Raiffeisen-Gebäude an der Ecke Römer-/Rathausstraße umgezogen. Das leerstehende Gebäude aber darf nun bis zu dessen Abriss als „Offene Werkstatt Gilching“ genutzt werden.

Eigentümerin ist die Raiffeisenbank, die dort ein Wohn- und Geschäftshaus bauen wird. Wann es soweit ist, ist ungewiss, sagt Sonja Gaja, Vorsitzende des Vereins. „Wir sind aber sehr froh, weil der Start unserer Initiative direkt im Ortszentrum zum Bekanntwerden beiträgt. Außerdem hat uns die Raiffeisenbank ein tolles Angebot gemacht. Wir müssen lediglich einen Euro Miete pro Monat plus Nebenkosten bezahlen.“ Während des Interviews füllt sich das Gebäude zusehends. Einer frägt nach, ob er die Hobelmaschine benutzen könne, eine Gilchingerin wiederum macht sich auf in den ersten Stock, weil da eine Nähmaschine steht. „Ich kann gut nähen, habe aber aus Platzgründen keine eigene Näh-Maschine und da ist es optimal, wenn ich zum Nähen hier kurz mal rüber springen kann.“ Mittlerweile tummeln sich auf zwei Ebenen Männer und Frauen jeden Alters sowie Kinder, die sich ebenfalls handwerklich betätigen wollen. Die Stimmung ist fröhlich. „Ziel unserer Initiative ist, dass die Menschen aufhören, alles, was kaputt ist, wegzuschmeißen, sondern dass sie unter fachmännischer Anleitung elektrische Haushaltsgeräte, Computer, Möbel und Geschirr, anders als im Repair-Cafe, selbst reparieren oder aber auch aus alten Sachen neue Gegenstände herstellen. Nur in Ausnahmefällen übernehmen wir die Reparatur“, erklärt Manfred Gehrke.


Im geräumigen Apotheker-Häuschen gibt es nichts, was es nicht gibt. Schrauben, Nägel, Fäden, jede Art von Werkzeug sowie einen 3D-Drucker. Aktuell ist das Team dabei, fünf Räder mit einer Lichtmaschine auszustatten, so dass durch fleißiges Treten Strom erzeugt wird. „Dieses Projekt wurde durch die Sparda-Bank gesponsert, für die wir auch Werbe-Botschafter sind“, betont Werner Deiglmeyer. „Künftig kann sich hier jeder unter unserer Anleitung so einen alternativen Stromerzeuger für zuhause bauen.“ Im Angebot außerdem Workshops in vielen Bereichen.  


Dass irgendwann der Umzug droht, schockt Sonja Goja, Sozialpädagogin mit Master in Umwelt und Bildung, nicht. „Wie gesagt, für den Start ist es hier optimal. Wir suchen aber bereits Räumlichkeiten, in denen wir dann langfristig bleiben können. Es kann ein Stall sein, den wir selbst ausbauen oder eine großzügige Garage oder ein altes Fabrikgebäude. Wir freuen uns über jedes Angebot.“ Geöffnet hat die Werkstatt jeweils am Donnerstag von 17 bis 20 Uhr oder aber auch nach Vereinbarung. Die Internetseite lautet www.offene-werkstatt-gilching.de.  

Mittlerweile ist der Verein „ausgepfuscht“ als gemeinnützig anerkannt und kann auch Spendenquittungen ausstellen. Derzeit sind es 12 Mitglieder, weitere sind herzlich Willkommen, sagt Sonja Gaja. Der Jahresbeitrag beträgt 60 Euro.

Uli Singer

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir gut versteckt - nein, es kommt auf das Endgerät an - einen Spenden-Button eingerichtet. Da steht bewusst keine Summe drauf, damit jeder, der uns unterstützen will, spenden kann, was möglich ist. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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