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Bussi statt Platzverweis: Wenn das Gilchinger Glück vorm Supermarktregal wartet

Ein Kommentar von Uli Singer

Manchmal schreibt das Leben im Landkreis Starnberg Geschichten, die selbst ein gewählter Rathauschef mit ausgeprägtem Kontrollzwang nicht besser inszenieren könnte. Da sitzt man am Donnerstag noch nichts ahnend in der Gemeinderatssitzung an seinem angestammten Pressetisch und wartet auf das, was laut Tagesordnung kommen mag. Doch was dann kam, stand mit Sicherheit noch nie auf einer Agenda in irgend einem anderen Rathaus. Mandelt sich doch der frischgebackenen Erste Bürgermeister – drei Wochen war er im Amt – vor mir auf und versucht mich in bedrohlichem Flüsterton vom Pressetisch weg zu komplimentieren. Seiner Meinung nach habe nur noch der Starnberger Merkur sowie die SZ das Recht, an einem dieser Tische Platz zu nehmen. Die Wortwahl, die er wählte, um mich altes harmloses Weib loszuwerden, will ich hier gar nie nicht wiedergeben. Nur eins war klar. Irgendwie schien ihm sauer aufgestoßen zu sein, ihn im Wahlkampf bei einer Behauptung bezüglich seines beruflichen Werdegangs ertappt zu haben, nicht ganz bei der Wahrheit geblieben zu sein!

Was tun, um den Bürgern auch weiterhin eine kritische Berichterstattung über den Amper-Kurier und über die Online-Zeitung Stanet.de (die es seit 1996 gibt) zu garantieren? Erst mal ruhig am Pressetisch sitzen bleiben, der Ratssitzung folgen – war eh nix Aufregendes – nach Hause zu gehen und die berühmte Nacht darüber zu schlafen. Okay – da bleibt nix anderes, als eine saftige Dienstaufsichtsbeschwerde an die Kommunalaufsicht im Landratsamt Starnberg zu tippen und sich zwischendurch immer mal zu fragen, warum der journalistische Alltag nach über 30 Jahren im Dienst plötzlich Züge eines Polit-Thrillers angenommen hat. Ausreichend Stoff für ein neues Buch ist allemal vorhanden.

Und dann folgt der Montag auf den Donnerstag…

Steh‘ ich doch da völlig unschuldig beim alltäglichen Einkauf vor dem Kühlregal beim REWE, sinniere noch über den fragwürdigen Zustand der kommunalen Demokratie und über die korrekte Anzahl an Pressetischen – da bricht doch plötzlich das pure, unzensierte Glück in Form eines dicken Busserls eines waschechten bayerischen Schornsteinfegers in voller Montur über mich herein. Und wie es der journalistische Zufall (oder das Schicksal) so will: Steht doch auch der „rasende Maxi“ von der heimischen JU goldrichtig im Wege, um im Moment des küssenden Einschlags auf den Auslöser zu drücken. Ein absolut authentisches Dokument der Zeitgeschichte – und dies ganz ohne vorheriges, strenges Arrangement durch die neue Rathausführung.


Warum bringt der Schornsteinfeger-Kuss eigentlich Glück?

Die Tradition ist uralt und tief im Handwerk verwurzelt. Früher, als die Häuser noch primär aus Holz und Stroh gebaut waren und der Ruß im Schlot eine ständige Brandgefahr darstellte, war der Schornsteinfeger die Rettung in der Not. Kam er, war der Kamin frei, das Essen konnte gekocht werden und das Haus brannte nicht ab. Er brachte sprichwörtlich die Sicherheit und das Licht zurück ins Haus. Ihn anzufassen – oder gar ein Bussi von ihm zu ergattern – galt seither als Garant dafür, dass einem das Unglück im kommenden Jahr elegant aus dem Weg geht.

Das Fazit dieser überraschenden REWE-Begegnung

Man könnte diese charmante Supermarkt-Begegnung fast als kosmisches Zeichen werten. Während manche Obrigkeiten mit hochrotem Kopf und fuchtelndem Zeigefinger versuchen, unliebsame Stimmen mundtot zu machen, schickt das Universum einen Kaminkehrer, um kommunalpolitisch a bißerl Gerechtigkeit walten zu lassen. Gegen so viel geballtes, rußiges Liebesglück kommt kein Platzverweis der Welt an. Die Tastatur glüht wieder, das Herz lacht und das neue Buch „Madl, lass da net ins Hirn scheißen…!“ (Ein Titel, den mir einst der österreichische Schauspieler Hans Brenner als Rat gegen missliebige Zeitgenossen mit auf den Weg gegeben hat) hat soeben ein wunderbares, ungeplantes Happy End im kulinarischen Bereich des Supermarkts gefunden.


Uli Singer

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