Wildtiere in Not – die Tierhilfe Tutzing hilft dort – wo Hilfe Not tut
Interessenten sind für Freitag, 10. April, zum offenen Stammtisch im „Buttlerhof“ in Traubing eingeladen
Tutzing – Wenn ein verletzter Igel am Straßenrand liegt oder ein flügellahmer Vogel hilflos im Garten sitzt, ist die Betroffenheit groß. Doch während viele davon ausgehen, dass „jemand zuständig sein muss“, zeigt die Realität ein anderes Bild: Für Wildtiere gibt es in Bayern in der Praxis oft keine klare Zuständigkeit – und vor allem keine finanzielle Absicherung.
Ein entscheidender Unterschied wird dabei häufig übersehen: Haustiere, die entlaufen und gefunden werden, gelten rechtlich als Fundtiere. Für sie sind die Gemeinden zuständig und übernehmen die Kosten über sogenannte Fundtierpauschalen, meist in Zusammenarbeit mit Tierheimen. Wildtiere hingegen haben keinen Besitzer und fallen nicht unter diese Regelung. Für ihre medizinische Versorgung, Unterbringung oder Pflege gibt es keine staatliche Förderung. Die Folge: Im Ernstfall ist schnelle Hilfe oft nur durch ehrenamtliches Engagement möglich.
Genau hier setzt die Tierhilfe Tutzing e.V. an. Der Verein hat sich im Landkreis Starnberg mit zu einer der ersten und wichtigsten Anlaufstellen für Wildtiere in Not entwickelt. Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, leisten die Ehrenamtlichen Hilfe – von der Erstversorgung über den Transport bis hin zur Vermittlung an spezialisierte Auffangstationen. Auch Behörden sowie Polizei oder Wasserwacht wenden sich inzwischen regelmäßig an den Verein, wenn schnelle Hilfe für Wildtiere gefragt ist.
Die Dimension dieser Arbeit zeigt sich in den Zahlen: Im Jahr 2025 verzeichnete die Tierhilfe Tutzing über 700 Einsätze unter Leitung des Vorsitzenden Stephan Holzer. Ein Großteil dieser Einsätze betraf Wildtiere – darunter Igel, Singvögel, Greifvögel, Wasservögel wie Schwäne und Enten sowie auch größere Tiere wie Rehe und Füchse.
Besonders häufig geraten Igel in Not. Verletzungen durch den Straßenverkehr, Angriffe durch Haustiere oder gestörte Winterschlafphasen führen dazu, dass viele Tiere ohne Hilfe nicht überleben würden. Auch bei Vögeln ist der Bedarf hoch: Immer wieder werden Nestlinge gefunden, die aus dem Nest gefallen sind oder deren Eltern nicht mehr zurückkehren. Ohne fachkundige Pflege hätten sie kaum eine Chance.

Ein eindrucksvoller Fall aus dem vergangenen Jahr war ein Uhu (Foto), dessen Gefieder durch verschlammtes Wasser so stark verklebt war, dass er flugunfähig wurde. Nur durch das schnelle Eingreifen der Tierhilfe konnte das Tier gesichert und in professionelle Pflege übergeben werden.
Hinzu kommen verletzte oder geschwächte Wildvögel, deren Versorgung besondere Erfahrung erfordert. Auch Wasservögel stellen die Helfer regelmäßig vor Herausforderungen – etwa durch Verletzungen oder Verschmutzungen ihres Gefieders.
Bei größeren Wildtieren wie Rehen oder Füchsen arbeitet die Tierhilfe eng mit den zuständigen Jagdpächtern zusammen, insbesondere wenn das Jagdrecht betroffen ist. Parallel dazu besteht ein Netzwerk aus spezialisierten Auffangstationen, in denen verletzte Tiere medizinisch versorgt und – wenn möglich – wieder ausgewildert werden. Stephan Holzer betont die Bedeutung dieser Zusammenarbeit: „Nur durch ein funktionierendes Zusammenspiel aller Beteiligten kann eine schnelle und tierschutzgerechte Hilfe gewährleistet werden.“
Trotz dieser professionellen Strukturen bleibt die Arbeit des Vereins eine große Herausforderung – vor allem finanziell. Da es keinerlei staatliche Förderung für Wildtiere gibt, müssen sämtliche Kosten, etwa für Tierarztbesuche oder Transporte, durch Spenden gedeckt werden. Gleichzeitig ist der Verein auf aktive Unterstützung angewiesen, sei es im Einsatzdienst oder bei der Pflege von Wildtieren wie Igeln oder Jungvögeln.
Die Arbeit der Tierhilfe Tutzing e.V. macht deutlich, wie groß die Versorgungslücke im Bereich der Wildtierhilfe ist – und wie unverzichtbar ehrenamtliches Engagement im Landkreis Starnberg geworden ist. Für viele Tiere bedeutet dieser Einsatz die einzige Chance auf Hilfe und Überleben.
Der Tutzinger Verein kümmert sich außerdem um Haustiere in Not und unterstützt Tierhalter im Landkreis mit einer Tiertafel, für die die stellvertretende Vorsitzende Anja Corbero federführend verantwortlich ist.
Wer Lust hat, die Arbeit des Vereins einmal persönlich kennenzulernen oder sich vielleicht selbst einzubringen, ist am Freitag, 10. April, zum offenen Stammtisch im „Buttlerhof“ in Traubing eingeladen. Beginn ist um 18 Uhr. Eine Anmeldung ist bis zum 7. April per E-Mail an th.tutzing@tierhilfe-tutzing.de möglich. Weitere Informationen sowie alle Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es im Internet unter www.tierhilfe-tutzing.de.
TextFotos: Anja Corbera/Tierhilfe Tutzing



