Sanierer des Bayerischen Hofes unter Zeitdruck
Laut Vertrag muss Peter Löw mit der Sanierung innerhalb von fünf Jahren fertig sein
Von Thomas Lochte
Starnberg – Bis 2027 will der neue Eigentümer des „Bayerischen Hof“, der Starnberger Unternehmer Peter Löw, mit der geplanten Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem Jahre 1864/65 fertig sein ( siehe KLICK). Nachdem kurz vor Weihnachten die notarielle Beurkundung des Verkaufs über die Bühne gegangen ist – „symbolischer“ Kaufpreis von rund 100.000 Euro – will Löw bereits am 12.Januar loslegen, zunächst mit Entrümpeln und der Beseitigung des Wildwuchses rund ums Gebäude: Nach eigener Auskunft werde er bei dem aufwendigen Gesamtvorhaben mit dem Architekten Andreas Winter und rund 25 Handwerkern zusammenarbeiten, die mit der Sanierung denkmal-geschützter Ensembles vertraut sind.
Wie berichtet, will Peter Löw über sein „European Heritage Project“, eine Art Finanzierungsfonds für ausgesuchte und unter Denkmalschutz stehende Objekte, übernehmen. Anlässlich eines Pressegesprächs im Starnberger Rathaus führte er als aktuelles Beispiel das Palais Seinsheim an der Prannerstraße in München an. Im im Mai dieses Jahres begonnen stehe es bereits kurz vor der Fertigstellung des ersten und zweiten Obergeschosses, betonte Löw.
Beim „Bayerischen Hof“ und dessen 2.000 Quadratmeter großem Grundstück schätzt der Unternehmer den Investitionsbedarf auf etwa 15 Millionen Euro. Löw und sein „European Heritage Project“ haben sich gemäß ergänzender Vereinbarung im Kaufvertrag explizit auch dazu verpflichtet, das historische Gebäude den Vorgaben des Denkmalschutzes entsprechend zu sanieren und im Erdgeschoss sowie im Hochparterre wieder eine „gastronomische Einheit“ herzustellen. Dort hatte sich bis zur Schließung des Gebäudes, auch wegen der unsicheren Statik, das beliebte „Café Prinzregent“ befunden. Löw bestätigte zugleich, dass auch im Untergeschoss wieder ein Lokal Einzug halten könnte. Bekannterweise war dort früher die griechische „Taverna“ plus Biergarten gewesen, eines der am stärksten frequentierten Gasthäuser Starnbergs.
Bürgermeister Patrick Janik betonte bei der Pressekonferenz, für den „Bayerischen Hof“, eine gute Lösung gefunden zu haben, „die nahezu ideal ist“. Löw sei, so Janik laut „Starnberger Merkur“, „ein Idealist, der sich im Bereich der Denkmalpflege mittlerweile profiliert hat“. Da sich für die angedachte Gastronomie bereits Interessenten gemeldet haben, werde man außerdem darüber nachdenken, daran gekoppelte Mitarbeiterwohnungen zu schaffen. Wobei der Investor darauf hinwies, dass die Nutzung des ersten und zweiten Obergeschosses bisher noch nicht feststehe.
Laut Vertrag zwischen Stadt und Käufer seien zwei Fristen vereinbart worden: Binnen eines Jahres muss Löw die erforderlichen Bauanträge und denkmalschutzrechtlichen Genehmigungen eingereicht haben; innerhalb von fünf Jahren muss die gesamte Sanierung abgeschlossen sein. Andernfalls fällt der „Bayerische Hof“ samt Grundstück wieder an die Stadt zurück – eine Formulierung, zu der die Rechtsaufsicht in Punkto Absicherung geraten habe.
Dass bei einer geschätzten Investitionssumme von bis zu 15 Millionen Euro für das „European Heritage Project“ steuermindernde Effekte eine Rolle spielen, ist anzunehmen. Löw selbst ist erfolgreicher Spezialist für Firmensanierungen und hat es so zum Selfmade-Millionär gebracht. Er lebt seit geraumer Zeit in Starnberg und engagierte sich hier auch immer wieder auf sozialem Gebiet – seine nunmehr auf den verfallenden „Bayerischen Hof“ und dessen Erhalt gerichtete Heimatverbundenheit ist also durchaus glaubwürdig, ohne dieses Engagement hätte sich vermutlich kein anderer Investor mehr gefunden. Rathauschef Janik zeigte sich erleichtert: „Ein Problem weniger.“
Löw hatte das ehemalige Hotel nach eigener Aussage vor rund vier Wochen zuletzt besucht und zum Sanierungsbedarf bei Elektroleitungen, Sanitäranlegen, Heizkörpern und Fenstern festgestellt: „Sichtbar ist relativ wenig.“ Eine Decke zwischen Erdgeschoss und einem Zimmer im 1. Stock hänge durch, die Balkone würden derzeit abgestützt. Immerhin aber sei die Bauqualität Mitte des 19.Jahrhunderts für die damalige Zeit dann doch recht hoch gewesen. Eines jedoch schloss Löw generell aus: Eine Hotelnutzung des „Bayerischen Hof“ werde es nicht mehr geben.



