Oh, What a Day!… Clyde Wright vom Golden Gate Quartet starb im Alter von 98 Jahren
Ein persönlicher Nachruf auf einen langjährigen Freund
Gilching – Aus gegebenen Anlass greife ich heute sehr tief in die RETRO-Kiste. Anlass ist der Tod von Clyde Wright, dem Tenor des Original Golden Gate Quartets. Er starb am 1. Juli im Alter von 98 Jahren in Paris. Dort finden auch die Trauerfeierlichkeiten statt. Beerdigung ist anschließend in New York.
Es muss so um 1955 herum gewesen sein. Als Kind saß ich bei den Nachbarn vor einem der ersten Fernseher weit und breit. Und da sah ich sie zum ersten Mal: Die vier schwarzen Sänger des „Golden Gate Quartets“. Noch bevor das letzte Lied verklungen war, stand für mich fest: Eines Tages heirate ich einen der Sänger.

Wem ich dies auch im Laufe der Jahre erzählte, ich erntete nur ein freundliches lächeln und man tat dies als Teenager-Schwärmerei ab. Jahrzehnte später jedoch stand er vor mir – Clyde Wright – der Tenor des Golden Gate Quartets. Plötzlich war der Kindheitstraum gar nicht mehr so weit hergeholt.
Es war im Frühjahr 1986, als mich der Manager des Golden Gate Quartets anrief und mir ein Exklusiv-Angebot – Auftritte für München und rundherum – für die Gruppe machte. Klar, ich dachte ich erst. Versteckte Kamera!… Schwärmte ich doch seit Jahren von den vier Jungs – ohne im Traum daran gedacht zu haben, dass ich sie eines Tages treffen werde. Herr Schaffer aber versicherte, mein guter Ruf als Veranstalter sei bis zu ihm nach Hamburg durchgedrungen und deshalb auch sein Anruf. Ich sagte zu, auch die 15000 Mark Gage, ohne zu wissen, wie das Abenteuer ausgeht. Zwar wusste ich, dass die vier Sänger weltweit bei Open Airs bis zu 15000 Gäste anlockten, doch in Bayern???
Ich buchte also die Finanzschule in Herrsching – 1200 Plätze – und startete mit dem Vorverkauf. Innerhalb von vier Wochen waren alle Plätze weg. Als Profi dachte ich natürlich sofort daran, das Münchner „Modern String Quartet“, die ich unter anderem betreute und die gerade ihren Siegeszug angetreten hatten, als Vorgruppe vor den Stars auftreten zu lassen. Doch ich hatte die Rechnung ohne Herrn Schaffer gemacht. „Tut mir leid, das geht nicht“, sagte er. Die Herren seien in einem fortgeschrittenen Alter und müssten deshalb rechtzeitig in ihren Betten im Hotel sein, war die Begründung. Okay, dann treten sie halt als Vorgruppe vom MSQ auf, sagte ich – eher scherzhaft, als ernst gemeint. Womit der Manager aber sofort einverstanden war.

Konzert-Termin war am 26. Oktober 1986. Zwar war das Publikum vorwiegend für das Golden Gate Quartet gekommen. Doch es blieben immer noch 800 Gäste sitzen, um sich auch das Modern String Quartet anzuhören.
Es war gigantisch… wir hatten die Jahre drauf unter anderem noch Konzerte in Gauting und München. Doch seit dieser Zeit verband mich eine persönliche und schöne Freundschaft mit Clyde Wright. Als ich ihm dann erstmals vor etwa 10 Jahren erzählte, dass ich als Neunjährige überzeugt war, irgendwann einmal einen der Jungs vom Golden Gate Quartet zu heiraten, machte mir Clyde prompt einen Heiratsantrag – und ich sagte zu.
Warum es letztendlich dann doch nicht klappte, obwohl Herrschings Bürgermeister Christian Schiller bereits zugesagt hatte, die Trauung vorzunehmen, lag an mir… doch dazu später, in einem meiner nächsten Bücher.
Nur so viel. Mich hat das Golden Gate Quartet und deren Musik von Kindesbeinen an begleitet und begeistert. Wenn ich irgendwie nicht mehr weiterwusste, legte ich eine Schallplatte, später eine CD, des Sänger auf, und die Welt um mich herum erschien wieder in rosigen Farben. Und auch die Freundschaft und die vielen Gespräche mit Clyde, waren eine Bereicherung in meinem Leben.
Es ist schön, dass er bis ins hohe Alter aktiv war – und es ist traurig, dass er nun nicht mehr unter uns ist.
Pfiad di, Du, Dein Quartett und Deine Musik haben uns über viele Jahre stets viel Freude bereitet. Danke.
Uli Singer



