Mit Humor geht alles leichter – sage ich und sagte auch schon mein Arzt
Auch wenn die Welt und deren federführenden Macher Null Bock auf Menschlichkeit und Osterfrieden haben, selbst sollte man sich von diesen Narzissten nicht anstecken lassen. Für uns Hundebesitzer gilt eh, egal ob ein bockiger Dackel oder eine schmusige Stiangglanderrass‘ neben her trottet, mit Humor geht alles leichter. Und wer viel lacht, erspart sich so manchen Arztbesuch. Sag‘ ich und sagte auch schon mein Arzt. Er rät ein für allemal, öfters mal den gesunden Menschenverstand dem Wort der so genannten „Götter in Weiß“ vorzuziehen. Und weil dieser gescheite Arzt in Seefeld ansässig und weil auch Ostern ist, möchte ich heute eine fast wahre Geschichte aus dem schönen Ort am Pilsensee als Feiertagslektüre zum Besten geben:
Als den Gläubigen in Seefeld das Beichten verging
Es war Anfang des 20sten Jahrhunderts. D’Leut waren damals, so sagt man sich, sehr, sehr fromm. Auch die Seefelder. Sonntags zogen sie die besten Klamotten an, gingen in d‘Mess und auch zum Beichten. Gebeichtet wurde nur, was eigentlich nicht der Beichte Wert gewesen wäre. „Kirschen hab‘ ich vom Nachbarn geklaut und da Fanny hab‘ ich untern Rock geschaut“, beichtete beispielsweise der Wastl ein fürs andere Mal. Nix anderes fiel ihm ein. Denn nie und nimmer tät er eingestehen, dass er das letzte Mal nur einen Hosenknopf in den Klingelbeutel geworfen hat. Echte Todsünden, wie Mord und Totschlag, gab es auch schon damals, aber halt nicht jede Woche. „Was soll ich da schon beichten“, jammerte der Wastl. Sonntag für Sonntag musste sich deshalb der Pfarrer von Seefeld solch‘ Banalitäten anhören. Inwendig kannte er seine Schäfchen und von den vorgeblichen Sünden erfuhr er meistens schon beim Stammtisch am Freitag „Gasthof Ruf“ im Ortsteil Oberalting.

Mehr gelangweilt als wirklich interessiert hörte sich der Pfarrer im Beichtstuhl das Sündenregister seiner Schäflein an. „So, Kirschen hosd am Nachbarn vom Baum runter klaut, deim Buam a Watschn geben und mit der Magd bist hinterm Hennastoi zum Schnackseln verschwunden? Zwei Vater Unser betest, ein Ave Maria und zwei Rosenkränz‘ und s’nächste Moi reißt di halt a bißerl zamm. Pflanz dia säiba an Kirschbaum, dann brauchst die Kirschen nimmer vom Nachbarn klaun.“
Der Sünder war froh, so glimpflich davon gekommen zu sein, tat, was ihm der Pfarrer aufgetragen, warf noch einen Kreuzer in den Klingelbeutel und ging frei gesprochen von allen Sünden strammen Schrittes ins Wirtshaus.
Es war wieder einmal Sonntag. Die fürsorgliche Pfarrersköchin meinte es ganz besonders gut mit ihrem Dienstherrn und schob ein Hendl ins Bratrohr. Mit der Zeit drängelte sich der Duft des fast fertigen Brathendls bis in die Kirche hinein und direkt am Beichtstuhl vorbei. Dort aber saß der Pfarrer und nahm seinen Schäflein die Beichte ab. „Während der Huberbauer reuevoll das siebte Fremdgehen innerhalb eines halben Jahres beichtete, dachte sich der Geistliche: „Ein Jammer ist’s. In da Kuchl wartet auf mich a knuspriges Hendl und ich muss mir da herinnen eine Bagatelle nach der anderen anhören.“ Als ihm dann auch noch die Reißbacher Kathy ausführlich beichtete, sie habe das Freitagsgebot verletzt, weil sie Fleischwürfel hergenommen habe, um dem Gatten eine Nudelsuppe zu kochen, riss dem Pfarrer der Geduldsfaden. Unwirsch öffnete er sein Beichtfenster und schnauzte die vor dem Beichtstuhl wartenden Gläubigen an: „So, dableiben tut nur noch, wer a wirkliche Todsünde zum Beichten hat.“
Das wirkte. Wer wollte schon in einem so kleinen Dorf wie Seefeld als Todsünder dastehen? Fluchtartig verließen Männlein wie Weiblein das Gotteshaus, so dass der Pfarrer im Eilschritt nach Hause eilen und sein Brat-Hendl genießen konnte.
Bis heute aber halten sich die Seefelder daran: Zieht durch den Ort der Duft eines knusprigen Hendls, ziehen sie es vor, auf die erlösende Sonntagsbeichte zu verzichten.
Uli Singer/Illustration: Horst Wendlandt


