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„Behaltet mich so in Erinnerung, wie ihr mich kennt.“

Karl Grünauer, vormals Schulleiter in Gilching, starb im Alter von 71 Jahren

Wörthsee – Karl Grünauer ist tot. Der umtriebige Schulleiter – unter anderem der Arnoldus-Grundschule in Gilching – starb überraschend am 5. Mai im Alter von 71 Jahren. Wer ihn kannte, weiß, dass er mit zu den Menschen gehörte, die sich nicht nur für eine sinnvolle Unterrichtsmethode einsetzte, sondern auch auf vielen anderen Bereichen firm war und Einfluss genommen hatte. Erstaunlich ist es deshalb, dass in den Weiten des Internets nichts über den vielseitig engagierten Menschen zu finden ist. Deshalb vielen Dank an Martin Fink, der Schwager von Grünauer, der in Kooperation mit Martina, der Witwe des Verstorbenen, einen informativen wie auch liebevollen Rückblick zusammen gestellt hat – und ihn auf der Beerdigung auch vortrug.


Aufgewachsen ist Karl in Niederbayern im beschaulichen Vornbach am Inn, unweit gegenüber der österreichischen Barockstadt Schärding. Als Ministrant und Lausbub eroberte er die Kirchtürme, die alte Klosteranlage und die Innauen. Onkel Oswald Wutz musste ihn sogar einmal vor dem Ertrinken aus dem Inn retten. In den siebziger Jahren begann der Ernst des Lebens an der Pädagogischen Hochschule München, Pasing.


Dort lernte er seine Frau Martina kennen. Nach dem Studium zogen beide nach Altötting und unterrichteten zwischen den Regierungsbezirken Ober- und Niederbayern in Reischbach und Eggenfelden Schüler von der dritten bis zur siebten Klasse.
Die zweite Lehramtsprüfung war das gemeinsame Ziel. Karl bewies schon damals sein großes Talent und schloss die Prüfung mit der Note 1,4 ab. Karl und Martina bauten dann mit Hilfe beider Eltern in Steinebach ein Haus und gründeten eine Familie mit ihren Kindern Sabrina und Carlo. Karl wurde Lehrer an der Hauptschule in Gilching und Martina an der Grundschule, ebenfalls in Gilching. Nach drei Jahren kam der Ruf nach München ins Kultusministerium, wo Karl als Redakteur für die Elternzeitschrift „Schule und Wir“ Artikel verfasste und Elternanfragen beantwortete.

Auch da war er in seinem Element, denn schon als Schüler schrieb er für zwanzig Pfennige pro Zeile für die Passauer Presse. Dem Schreiben blieb er immer treu. Er verfasste neben seiner Tätigkeit im Kultusministerium mehr als sechzig Skripten als Unterrichtsvorbereitung für Lehrer in den Fächern Deutsch, Heimat und Sachkunde sowie Religion. 1989 wurde Karl dann als Rektor nach Gilching an die Arnoldus-Grundschule berufen. Unter seiner Leitung wuchs die Arnoldus-Grundschule zeitweise zur größten Grundschule Oberbayerns mit über siebenhundert Schülern. Karl Grünauer wurde die prägende Führungsperson der Schule.

Die damalige Schulamtsdirektorin lobte sein generalstabsmäßiges Organisationstalent, mit dem er die große Schule trotz Raumnot und wechselnder Rahmenbedingungen erfolgreich leitete. Auch Projekte, wie zum Beispiel die Lesekompetenz durch gezielten Unterricht, und ähnliche Dinge hat er angepackt. Sein stabsmäßiges Talent bewies er wiederum bei der dringend notwendigen Teilung der Grundschule. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Thomas Reich, dem Gemeinderat und der Verwaltung schaffte er den Neubau an der Landsberger Straße im Jahre 2005. Mit einem Festakt wurde mit rund zweihundert Festgästen, so stand es im Merkur, Abschied von der gemeinsamen Grundschule gefeiert.

Mit einer humorvollen Rede ließ damals Schulleiter Karl Grünauer die Zeit der Arnoldus-Grundschule Revue passieren. Er verwendete ja immer bestimmte Begriffe, die er zu Hilfe nahm. Zum Beispiel war für Karl Grünauer die damalige überfüllte Schule ein Schiff. Mit mehr als siebenhundert Matrosenkindern und vierzig Mannschaftsoffizieren hielt er das Schulschiff auf Kurs in bildungspolitisch stark wechselnden Gewässern, im Schlepptau mitziehend zwei, drei oder sogar vier Auslegerboote in Aglsried an der Rathausstraße und in der Waldkolonie. Die Arnoldus-Grundschule war nun auf vierhundert Schüler gesund geschrumpft und die neue Schule hatte noch keinen Namen.

Es wäre nicht Karl Grünauer, wenn er nicht den in Gilching lebenden erfolgreichen Kinderbuchautor James Krüss ins Spiel gebracht hätte. Seit 2008 hat nun diese Schule diesen Namen. Die Schulfamilie liebte ihn wegen seiner bildreichen Reden, spannenden Geschichten und turbulenten Schulfeste. Das Jahr 2000 ließ Karl Grünauer nicht einfach verstreichen. Er machte aus der Jahrtausendwende ein riesiges Millenniumsfest mit über sechshundert Kindern als Akteure. Diese Feierlichkeiten waren Teil eines großen Planes, der die Schule und ihre Gemeinschaft mit der Geschichte später verbinden sollte. Karl war durchaus ein umtriebiger Mensch. Trotz des beeindruckenden Engagements blieb noch Zeit für Hobbys.

In den Schulferien restaurierte er ein Haus im österreichischen Innviertel. Mit Frau und Kindern richtete er es stilgerecht ein, schmückte es mit Bauernmöbeln und historischen Bildern. Wenn er etwas anpackte, dann mit einem unverwüstlichen Ehrgeiz bewundernswerter Ausdauer und großem Geschick. Er hatte halt immer das Ganze im Blick. Nach siebzehn Jahren Rektor in Gilching wurde er dann 2006 als Schulrat in den Landkreis Fürstenfeldbruck berufen. Auch dort fand er die Fortsetzung seiner beruflichen Erfüllung. 2015 beendete er als Schulamtsdirektor sein Berufsleben.

Im Ruhestand schuf er sich dann seine eigene Welt zwischen Büchern, Bildern und Antiquitäten, die für ihn Geschichten erzählten. Seine Sammlung war ein Gespräch mit der Vergangenheit. Er war ein Bildermensch, der genau hinsah. Ein wortstarker Kenner und Kunstliebhaber des Gedruckten, des Gezeichneten und des Gemalten. Auch ein Entdecker vieler verborgener Schätze in diesen Bereichen. Er war Reimer, Redner und Archivar. Und als Opa fand er in den Bildern seiner geliebten Enkel den Blick für das Kostbare. Lieber Karl, du hast uns gezeigt, was dir wichtig ist und wer wir sind.

Jetzt tragen wir dich weiter als leise Bewegung in unserem Inneren. Danke. Seine letzten Worte an uns vor einer Woche waren: „Behaltet mich so in Erinnerung, wie ihr mich kennt.“

Martin Fink

Karl Grünauer liegt am Waldfriedhof Etterschlag-Walchstadt begraben.


Uli Singer

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