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Mit Funky-Fresh die Sprayer-Szene salonfähig gemacht

"Lando" gehört mit zu den gefragtesten Graffiti-Künstlern

Gilching – War früher sprayen noch illegal und von der Polizei verfolgt, bieten heute viele Städte legal Wände zum Besprühen an. Aktuell bestaunen derzeit Passanten am Gilchinger Bahnhof die Arbeit des Künstlers „Lando“, der beauftragt wurde, die Unterführung der S-Bahn-Station Gilching-Argelsried zu verschönern. Auftraggeber sind die Gemeinde sowie die Deutsche Bundesbahn.

Die Motivationen von Sprayern ist vielschichtig und reicht von Kreativität über das Gruppengefühl, den zu erwartenden Ruhm bis hin zu einem neuen Lebenssinn. Unterhält man sich mit „Lando“, gebürtig 1974 als Melander Holzapfel in Fürstenfeldbruck, heute wohnt er in Gilching, spielt vielleicht alles eine Rolle. Mit Sicherheit aber liegt dem Papa einer elfjährigen Tochter auch die Zukunft der Jugend am Herzen, die er einerseits für die Grafitti-Kunst begeistern will, andererseits sie aber als Verbündete zu gewinnen, um langwierige Kunstwerke zu schützen anstatt dass sie mutwillig zugeschmiert werden.

Seit Wochen ist Lando nun dabei, aus der vormals schmuddeligen Unterführung zur S-Bahn-Station eine Landschaft zu zaubern, die zum Nachdenken aber auch zum Verweilen einlädt. „Ich hatte freie Bahn, was das Motiv angeht“, erzählt er. „Sehr schnell aber hatte ich das Gefühl, eine Voralpenlandschaft in dezenten vier Farben zu sprayen. Das Motiv erinnert an den Gletscher, der sich vor zwei Millionen Jahren von Herrsching bis nach Grafrath hinzog und rund 200 Meter hoch war. Unterhält man sich mit den Passanten, sehen die einen das Fünfseenland, andere wiederum verbinden das Bild mit unserer Voralpenlandschaft. Es kann also jeder für sich so interpretieren, wie es sein Gefühl zulässt.“ Auf keinen Fall sollen zu viel Einzelheiten vom Gesamtbild ablenken. Gut, ein paar Vögel, vielleicht auch noch eine Schnecke – wobei jetzt schon viele winzig kleine Schnecken aus Fleisch und Gehäuse die Berge erklimmen. „Das ist interessant, weil mit kürzlich eine Frau mit Hörgerät gebeten hat, analog zur Ohrmuschel eine Schnecke zu malen. Und nun kriechen hier tatsächlich kleine Schnecken umher.“

Vom Kaufmann zum ausgebuchten Sprayer

Ursprünglich verdiente Melander Holzapfel sein Geld als Kaufmann für Sportartikel. 1987 fing er als 13Jähriger an, sich fürs Sprayen zu interessieren. 1999 gründete er Funky-Fresh, Münchens erste Graffiti-Agentur. „Früher hat jeder immer für sich gearbeitet. Nun waren wir eine Gemeinschaft, die auch gemeinsam Aufträge übernahmen. Eigentlich logisch, denn keiner kann alles. So hat jeder hat sein Spezialgebiet, so dass wir uns dadurch super ergänzen. Heute zähle ich zu Münchens gefragtesten Auftragsmalern.“

Zurück zu seinem Engagement für junge Menschen. „Meine Tochter Flora hat den Auftrag, zweimal die Woche zum Bahnhof zu radeln und zu schauen, ob irgendwo Flecken oder Beschädigungen aufgetaucht sind. Sie bekommt dafür ein angemessenes Taschengeld und ich kann sofort die Ausbesserung übernehmen.“ Mit Bürgermeister Manfred Walter habe er bereits gesprochen, betont Lando, um auch andere Schüler zu gewinnen, einmal die Woche nach dem Rechten zu schauen. „Vielleicht ist ja in irgendeinem Gemeinde-Topf noch ein bißerl Geld da, um den Schülern als Geste ein kleines Taschengeld zu geben. Wichtig aber ist auch, dass wir ein verlassenes Haus oder eine andere größere Fläche finden, damit ich mit den Jugendlichen zusammen Graffiti-Bilder anbringen können.“

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir gut versteckt - nein, es kommt auf das Endgerät an - einen Spenden-Button eingerichtet. Da steht bewusst keine Summe drauf, damit jeder, der uns unterstützen will, spenden kann, was möglich ist. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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