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Als mir die Milva vor die Kamera lief

Es hätten die Geschichte meines Lebens werden können

In unserem Beruf lebt man davon, gelegentlich einen guten Tipp zu bekommen. Auf diesem Wege habe ich erfahren, dass die berühmte Milva als Stargast nach Starnberg kommt. Sie wurde durch die Allianz-Versicherung für eine Jubiläumsfeier auf einem Dampfer für eine Rundfahrt am Starnberger See gebucht. Ankunft der Diva sollte um 15 Uhr sein. Reicht also, wenn ich gegen 14 Uhr am Hafen der Bayerischen Seenschifffahrt in Starnberg stehe und auf das Erscheinen der italienischen Sängerin und Schauspielerin warte. Eine Knaller-Geschichte, die ich bestimmt überregional verkaufen kann. Zumal mir das Management signalisiert hatte, dass sich Milva für ein Interview zur Verfügung stellen werde. Doch wie es nun mal so ist mit Weltstars, sie lassen gelegentlich auf sich warten. So auch Milva. Für mich eine unglaubliche Tortour, weil ich am Vormittag beim Treppen steigen mit dem Fuß umgeknickt war und mir dabei den Knöchel verstaucht hatte. Dieser war mittlerweile auf die doppelte Größe angeschwollen. Jeder Schritt ging schmerzhaft durch Mark und Bein.

Abfahrt des Dampfers war für 18 Uhr geplant. Bis dahin sollten auf Deck der Soundcheck sowie die Lichtprobe abgeschlossen sein. Meinerseits wird telefoniert, nervös auf und ab gegangen und im Hafen in Starnberg bei jedem Geräusch, das sich nur annähernd nach einem Automotor anhört, gespannt in Richtung Einfahrt geschaut. Doch nichts. Es handelte sich meist um Lieferwägen für die Tonanlage, das Catering oder die Geschenke für geladene Gäste.

Ich aber stand ich nun bei sengender Hitze mit geschwollenem Knöchel – seit drei Stunden, die Kamera im Anschlag. Nervös wartete ich auf den ersehnten Schnappschuss. Der kleine Zeiger der Uhr war mittlerweile auf die fünf vorgerückt. Ich wagte es nun nicht mehr, den Sucher des Fotoapparates vom Auge weg zu nehmen. Irgendwie und irgendwo wird doch der rothaarige Schopf der Diva auftauchen und dann ist es von Vorteil, bereit zu sein.

Plötzlich steht Harald Frühauf, damals Betriebsleiter bei der Starnberger Seenschifffahrt neben mir und fragt: „Und, haben Sie gute Fotos geschossen?“ Wie, gute, geschweige denn überhaupt Fotos geschossen. Ich warte leider immer noch darauf, dass die Milva endlich vorfährt. Dabei kann ich wegen meines kaputten Knöchels kaum noch stehen.“

Harald Frühaufs Blick sagte alles. „Die Milva? Die war doch gerade direkt an Ihnen vorbei marschiert. Hinter ihr zwei Bodyguards, die die Schminkkoffer trugen.“ Hä? Für mich nicht nachvollziehbar, war doch weder Gedränge noch sonst ein Umstand, der mir den Blick auf den Star verwehrt hätte. Ich musste glauben, was Harald Frühauf sagte. Zumal auf dem Deck bereits die Vorbereitungen für den Soundcheck.

Muss ich noch erwähnen, dass auch aus dem Interview nichts wurde? Die Milva war viel zu spät im Hafen eingetrudelt und legte zudem Wert auf mindestens eine Stunde Soundcheck. Schminken und Lichtprobe dazu gerechnet, nein, für mich als unbedeutende Heimatschreiberin blieb keine Zeit. Wehmütig schaute ich dem hell erleuchteten Dampfer nach, der mit rund 300 gut gelaunten Ehrengästen in See stach. Müde und unverrichteter Dinge fuhr ich nach Hause um mich um meinen Knöchel zu kümmern.

Der Oberhammer aber kam ein paar Tage später

Als wäre dieser Schneider-Termin nicht schon genug, zwei Tage nach meiner Pleite finde ich im Briefkasten Post von der Allianz vor. Inliegend ein Foto, das Milva und ihre Bodyguards bei der Ankunft im Starnberger Hafen zeigt. Und keinen halben Meter von der Truppe entfernt, eigentlich so direkt daneben, stehe ich die Kamera schussbereit in der Hand. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass ich mir über einen langen Zeitraum von meinen Kollegen und Kolleginnen den Kosenamen „Super-Paparazzi“ gefallen lassen musste. Zu meiner Entschuldigung aber sei gesagt, dass Milva ihr wallendes Haar streng nach hinten zusammen gebunden und darüber einen breitkrempigen weißen Sommerhut gestülpt hatte. Na, immerhin habe ich ein Foto als Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag. Ein Trost, wenn auch nur ein kleiner.

Uli Singer

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir rechts den Spenden-Button eingerichtet. Nur als Beispiel stehen da 20 Euro mit drauf, es kann aber jeder, der uns unterstützen will, auch mehr, aber selbstverständlich auch weniger, überweisen. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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