Fortschritt in Gilching? Ja, scho – aba muaß des unbedingt glei sei?
Wo blieb das "kein weiter so?" - Der Wählerwille in den Fokus gerückt
Gilching – In Gilching ist man auf viele Dinge stolz. Auf heimische Vereine, auf den mehr oder minder Zusammenhalt der Bürger, auf die fünf Seen, die schnell erreichbar sind und auf den schönen Blick Richtung Berge – wenn’s Wetter passt. Doch auf eines scheint man besonders stolz – auf die Kontinuität.
Nehmen wir nur mal die berühmte Gilchinger Glatze
Seit gut drei Jahrzehnten soll das im Zentrum liegende rund 14 Hektar große landwirtschaftliche Areal umgenutzt werden. Wohnungen inklusive der notwendigen Logistik plus Erholungs-Park sowie ein Bachlauf sind geplant. Längst schon fand diesbezüglich ein aufwändiger städtebaulichen Wettbewerb mit Sieger-Modell statt. Fertige Pläne vergilben längst in Manfred Walters Rathaus-Schublade… X Gutachten für teures Geld liegen daneben. Was dem Rathauschef womöglich fehlt, ist der notwendige Spaten, um den Spatenstich vorzunehmen. Der aber liegt gut versteckt irgendwo im Rathauskeller – regelmäßig geölt und sorgfältig aufbewahrt für bessere Zeiten?
Eine ähnliche Dynamik legte der Rathauschef inklusive sein Ratsgremiums beim so genannten Mobilitätskonzept an den Tag. Ein Gutachten wurden erstellt. Und noch eins und ein weiteres. Bisher sind es drei, die – insbesondere das letzte aus dem Jahr 2025 – für die Katz‘ sind.
Und was macht der Bahnhofsvorplatz?
Der sollte längst schon attraktiv umgestaltet werden, um den Besuchern, die mit der S-Bahn ankommen, ein modernes Gilching vorzugaukeln. Hier fand 2010 sogar ein aufwändiger Ideen-Wettbewerb statt, an dem sich Vereine wie auch Privatpersonen beteiligen konnten. Künftig, so steht es in einem alten Zeitungsartikel, soll der Bahnhof Gilching-Argelsried sogar in „Hauptbahnhof-Gilching“ umfirmiert werden.
Was daraus geworden ist…? Nichts! Wie bei vielen weiteren Projekten. Der dem Seniorenbeirat versprochene Bewegungspark, nicht ansatzweise wurde er behandelt, die neuen Radlständer bei der Bushaltestelle an der Pollinger Straße oder aber auch, die Umgestaltung der „Todeszone“ zwischen Marktplatz und Pollingerstraße in eine eine attraktive Fußgängerzone.
Nun könnte man meinen, bei so viel Stillstand und leeren Versprechungen würden die Bürger irgendwann auf die Barrikaden gehen. Tun sie auch. Auf Bürgerversammlungen aber werden sie generell vertröstet und stets versprochen, sich persönlich darum zu kümmern. Tolle Methode außerdem, schnell einen weiteren Workshop anzusetzen oder besser noch, ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, um Zeit zu schinden. Perfektioniert hat der Rathauschef außerdem die Methode des Abduckens, kommen ernst zu nehmende Kritiker persönlich auf ihn zu.
Froh war man, als Manfred Walter aus gesundheitlichen Gründen versprach, nicht mehr für den Posten des Bürgermeisters zu kandidieren. Fast zog so etwas wie Euphorie unter der Bürgerschaft ein, mit einem neuen Mann oder einer neuen Frau an der Spitze und einem neu zu wählendem Ratsgremium endlich das umzusetzen, was lange versprochen wurde.
Weit gefehlt. Zwar erklärten sich viele engagierte und auch junge Gilchinger Bürger und Bürgerinnen bereit, sich auf die Listen der jeweiligen Fraktionen für einen Sitz im Gemeinderat zu bewerben. Und die Gilchinger hatten es in der Hand, bei der Kommunalwahl am 8. März eine Wende und ein „Nicht weiter so!“ einzuleiten. Und, was machte das mündige Volk?

Es wählt exakt wieder die gleichen Kräfte ins Gremium, von denen die meisten den Stillstand 18 Jahre lang wohlwollend begleiteten.
Hä, geht‘s noch? Ein, zwei neue Räte oder Rätinnen pro Fraktion hätten der Sache echt gut getan. Enttäuschend dabei ist, dass explizit die „Bürger für Gilching“, die anerkannt aufrichtig und uneigennützig Hintergrundarbeit leisteten, abgestraft wurden und nur noch mit einem statt zwei Vertreter mit dabei sind? Obwohl sie drei Sitze verdient hätten.
Okay, es gibt nun wieder „Ein weiter so!“. Die Glatze bleibt landwirtschaftlicher Grund, das Bahnhofareal gleicht einem Nachkriegsprojekt und die Fußgängerzone gammelt weiter vor sich hin. Veränderung? Ein klares Nein, dann müsste man sich ja mal bei sich selbst beginnen! Das Ehrenamt im Gemeinderat ernst nehmen und auch mal entsprechend mehr Engagement an den Tag legen. Das Beste an der Geschichte aber ist, dass sich künftig alle gewählten Räte und Rätinnen bei angebrachter Kritik groß auf die Fahne schreiben können: „Was wollt‘ Ihr denn? Wir sind der Wählerwille!“
Ach ja, so nebenbei: Am Sonntag, 22. März, findet eine Stichwahl zwischen den Bürgermeister-Kandidaten Roland Schrafstetter (CSU) und Stefan Siegl (FW) statt. Egal auch, wer die Wahl gewinnt – derjenige braucht mit Sicherheit einen magischen Feen-Stab, um das Gremium aus ihrem jahrelangen Dornröschen-Schlaf – in den sie der scheidende Rathauschef hinein gespindelt hat – zu erwecken!




