Brosig und Lenze plädieren für mehr Frauenpower im neuen Rat
Gilching – In politischen Gremien wird meist nur über Zahlen und Momentaufnahmen gesprochen. Vergessen wird dabei oft der Blick über den Tellerrand. Und genau hier wäre mehr Frauenpower angesagt. Denn, obwohl die Gemeinde größtenteils von engagierten, kreativen und meinungsstarken Frauen in den jeweiligen sozialen und ehrenamtlichen Bereichen – Pflege, Kinderbetreuung, AWO, Tafel – lebt, spiegelt sich diese Vielfalt im Rat bislang nur begrenzt wider.
Bei der Kommunalwahl am 8. März könnte sich dies durchaus ändern. Insbesondere bei der Gruppierung „Bürger für Gilching“ stehen zwei Frauen beispielhaft für unterschiedliche Generationen, Lebenswege und Erfahrungen – und doch verbindet sie ein gemeinsames Ziel: Die aktive Mitgestaltung.
Da wäre nun Kerstin Lenze (42), die als Neueinsteigerin antritt. Sie bringt frische Sichtweisen, berufliche Erfahrung und den Blick einer Generation mit, die zwischen Familie, Beruf und gesellschaftlichem Engagement jongliert. Ihr Listenplatz drei zeigt bereits, dass man ihr innerhalb der Gruppierung Vertrauen schenkt. Sie steht für Aufbruch, neue Impulse und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich in parteipolitischen Mustern zu verlieren.
Auf der anderen Seite steht Rosmarie Brosig (77) – ein Name, der im Gilchinger Gemeinderat seit Jahren für Beständigkeit, Engagement und Bürgernähe steht. Seit 16 Jahren gehört sie dem Gremium an und hat sich in dieser Zeit den Ruf einer beharrlichen Kämpferin für die Rechte der Bürgerinnen und Bürger erworben. Ihr politisches Wirken war nie laut, aber stets präsent. Sie kennt Abläufe, Strukturen und die feinen Zwischentöne kommunaler Entscheidungen.
Bemerkenswert ist dabei weniger ihr Listenplatz 13, als vielmehr ihre Haltung: Brosig würde der jüngeren Mitstreiterin durchaus den Vortritt lassen und sie auch künftig aus der „zweiten Reihe“ heraus unterstützen. Ein Signal, das in der heutigen politischen Landschaft Seltenheitswert besitzt – denn hier geht es nicht um persönliche Eitelkeit, sondern um das gemeinsame Ziel, Frauen im Rat sichtbarer und wirksamer zu machen. An der Spitze der Liste steht Oliver Fiegert, dessen Wiedereinzug als sehr wahrscheinlich gilt.
Bisher verfügten die „Bürger für Gilching“ über zwei Sitze im Gemeinderat. Die Hoffnung richtet sich nun auf einen dritten – nicht nur als numerischen Erfolg, sondern als Chance, das Gremium vielfältiger zu gestalten.
Wobei mehr Frauenpower nicht gleichbedeutend für lautere Debatten oder grundlegend andere Themen stehe. Es bedeutet vielmehr zusätzliche Blickwinkel, andere Prioritäten, oft auch eine stärkere Gewichtung sozialer, familien- und alltagsnaher Fragestellungen. Kurz gesagt: ein vollständigeres Bild der Gemeinde.
Die Konstellation Lenze und Brosig steht sinnbildlich für einen möglichen Brückenschlag zwischen Erfahrung und Erneuerung. Die eine bringt frischen Wind, die andere das Wissen um die Strömungen. Gemeinsam könnten sie zeigen, dass politische Stärke nicht im Gegeneinander liegt, sondern im Miteinander – generationenübergreifend, respektvoll und zielorientiert.
Ob es am Ende tatsächlich zu mehr weiblicher Präsenz im Gilchinger Gemeinderat kommt, entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Doch schon jetzt wird deutlich: Der Wunsch nach stärkerer weiblicher Beteiligung ist nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Rosmarie Brosig: „Leider habe ich während meiner 16Jährigen Gemeinderatstätigkeit nicht all‘ das erreicht, was ich erreichen wollte. Beispielsweise, dass sich die Kommune um unsere kaputten Straßen kümmert, bevor sie gänzlich dem Verfall preis gegeben werden. Gefreut hat mich natürlich, dass mein Engagement in Punkto Straßenausbausatzung, gefruchtet hat. Nach einem bayernweiten Bürgerentscheid hat sie Markus Söder 2018 gecancelt – die Kosten werden jetzt nicht mehr den Bürgern aufgehalst, sie gehen jetzt zulasten der Gemeinde.
Kerstin Lenze: Was ich anregen möchte, werde ich ins Ratsgremium gewählt, ist vorrangig bei Themen, die umgesetzt werden sollen, die Sinnhaftigkeit zu prüfen und nicht, dass scheinbar immer nur die Ideologie, wer hat was beantragt?, im Vordergrund steht. Konkret werde ich mich für eine Vernetzung unserer vielen gut funktionierenden Vereine und für ein aktives Miteinander von jungen und älteren Menschen einsetzen. Seit Jahren wird beispielsweise vom „Seniorenbeirat“ ein so genannter „Bewegungspark“ gefordert, der anderswo längst schon üblich ist. In Gilching aber wird er seit Jahren den Antragsstellern versprochen, sich darum zu kümmern, dabei ist er noch nicht einmal angedacht.





