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Auch Straßen haben eine Geschichte

Die Landsberger Straße - 14 Menschen mussten ihr Leben lassen

Gilching – Überrascht zeigen sich Autofahrer, die in Gilching derzeit von der Autobahnausfahrt Richtung Stadtmitte entlang der Landsberger Straße fahren. Einerseits gibt es seit wenigen Tagen eine halbseitige Einbahnstraßen-Reglung. Andererseits zeugen Baustellenfahrzeuge von reger Bautätigkeit. Nein, um eine Sanierung oder gar Verbreiterung der Straße, wie viele vermuten, handelt es sich nicht. Vielmehr wird derzeit innerorts, aktuell eben in der Landsberger Straße, eine Fernwärmeleitung verlegt. Ein willkommener Anlass, generell einen Blick auf die Entstehung der Landsberger Straße zu werfen.

Von 1952 bis 1957 kamen 14 Menschen im Straßenverkehr ums Leben

Die älteren Bürger erinnern sich mit Sicherheit noch an eine Zeit, als sich der gesamte Wochenendverkehr erholungssuchender Münchner an die Badeseen im westlichen Landkreis durch die Landsberger Straße in Gilching quälte. „So war es bereits seit 1925. Ab 1952 aber bewegte sich auf dieser Straße eine unerträgliche, kaum abreißende Auto- und Radfahrkolonne“, schrieb Ortschronist Rudi Schicht in seinen Aufzeichnungen. Bei einer Verkehrszählung im Jahr 1966 wurden an einem Wochenende 8000 Fahrzeuge in nur eine Richtung gezählt. Dabei war die einstige Bundesstraße, die bis nach Landsberg und weiter nach Lindau an den Bodensee führte, gerade einmal 5,5 Meter breit und in schlechtem Zustand. Ein Umstand, den sich die Gilchinger nicht mehr gefallen lassen wollten, zumal sich Unfälle mehrten und zwischen 1952 und 1957 insgesamt 14 Menschenleben forderte. Bereits 1952 hatte der Gemeinderat unter Bürgermeister Josef Bartl eine Resolution an den Deutschen Bundestag als Eigentümerin der Straße verfasst und eine Verbesserung der Verkehrsmisere gefordert. „Tatsache ist, dass der Straßenverkehr in den letzten Jahren stetig zugenommen hat und gegenüber dem Vorkriegsstraßenverkehr auf das Doppelte angestiegen ist. Es ist heut noch nicht zu übersehen, welches Ausmaß der Straßenverkehr in weiterer Zukunft annehmen wird; allen Anschein aber ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen“, schrieb Bartl an das Bundesverkehrsministerium. Nicht ohne weitere Schritte anzukündigen, sollte die Angelegenheit nicht ernst genug genommen und auf die lange Bank geschoben werden. „Dann würde der Gemeinderat darin eine Unmöglichkeit und Unverantwortlichkeit erblicken und gemeinsam mit den angrenzenden Gemeinden zu einer energischen Protesterhebung gezwungen sein.“

1972 sorgte die Autobahn für eine Entlastung der Innenstadt

Doch die Mühlen der Behörden mahlen langsam. Es dauerte noch viele Jahre, bis es eine Entlastung durch den Bau der Autobahn gab. Ausschlaggebend waren seinerzeit, dass in München die Olympischen Spiele 1972 geplant waren und viele Gäste auch in den Gemeinden um die Landeshauptstadt herum erwartet wurden. 1971 wurde das Teilstück zwischen München und Oberpfaffenhofen seiner Bestimmung übergeben und peu a peu bis Lindau ausgebaut. Nun konnte auch die Sanierung und Verbreiterung der Landsberger Straße in Angriff genommen werden. Insgesamt aber nahm der Straßenausbau in Gilching fortan einen breiten Raum ein. Laut Schicht betrug die Straßenlänge im Gemeindebereich Gilching im Jahre 1990 insgesamt 141 Kilometer, davon waren 60 Kilometer geteert und in ordentlichem Zustand. Laut Bauamtsleiter Max Huber waren es bereits 90 Kilometer und aktuell, schätzt er, „genaue Zahlen gibt es noch nicht“, seien es rund 110 Kilometer, die innerorts ausgebaut sind. Wobei mittlerweile wieder einige Straße einer Sanierung bedürfen. „Würde man die geteerten Straßen in Gilching abfahren, käme man in der gleichen Zeit theoretisch sogar bis nach Kiefersfelden.“ Tut aber keiner );-))).                   

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir gut versteckt - nein, es kommt auf das Endgerät an - einen Spenden-Button eingerichtet. Da steht bewusst keine Summe drauf, damit jeder, der uns unterstützen will, spenden kann, was möglich ist. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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