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Als Flakhelfer gemeinsam in Gilching unterwegs

Roland von Rebay sowie Papst Benedikt VXI. leisteten Telefondienst


…Papst Benedikt ist tot. Das Ableben des einzigen deutschen Papstes seit über 400 Jahren sorgt weltweit für Schlagzeilen – sowohl in renommierten Tageszeitungen wie auch in kleinen Ortsbladln. Doch, es gibt eine kleine Geschichte, die einzig im Landkreis Starnberg spielt und die voraussichtlich nirgends zu lesen sein wird – außer natürlich auf stanet.de. Okay, dass Joseph Ratzinger während der Kriegsjahre als Flakhelfer Dienst tun musste, ist bekannt. Dass er im Zuge dieser Tätigkeit auch in Gilching eingesetzt wurde, wissen wahrscheinlich nur noch wenige. Dass es aber einen bekannten Zeitzeugen aus Weßling gab, der mit Ratzinger zusammen Dienst als Flakhelfer tat, dürfte relativ unbekannt sein.

Je nun, als gute Freundin des verstorbenen Weßlinger Architekten Roland von Rebay (1926 bis 2014) und dessen Verlegerin („Anstatt beschämt zu schweigen“) unterhielten wir uns anno 2005 auch über Kardinal Joseph Ratzinger und dessen Wahl zum Papst. „Da fällt mir doch glatt etwas ein, was ich fast schon vergessen hätte“, sagte von Rebay plötzlich. „Während des zweiten Weltkrieges musste ich als Schüler einer höheren Schule, wie damals üblich und viele andere Schüler auch, als Flakhelfer Dienst tun. Eingesetzt wurde ich für die Flugabwehr in Gilching. Einer meiner Kameraden hieß damals Joseph Ratzinger.“ Tatsächlich widmete Joseph Ratzinger in seiner Biographie „Aus meinem Leben“ ein Kapitel unter dem Thema „Kriegsdienst und Gefangenschaft“ seiner Gilchinger Zeit als Flakhelfer. „So wurde die kleine Gruppe der Seminaristen meiner Klasse, die Jahrgänge 1926 und 1927, zur Flak nach München einberufen. Mit sechzehn Jahren musste ich jetzt ein sehr eigenartiges Internat besuchen“, berichtete der Geistliche. Erster Standort sei Ludwigsfeld im Norden von München gewesen, es folgten Unterföhring und Innsbruck. Und weiter berichtete Papst Benedikt XVI. : „Als dort keine Angriffe mehr erfolgten, wurden wir schließlich nach Gilching, nördlich des Ammersees, mit einem doppelten Auftrag verlegt: Wir hatten die nahe liegenden Dornier-Werke zu verteidigen, aus denen die ersten Düsenjäger in die Luft stiegen, und wir sollten ganz allgemein die alliierten Flieger, die sich für die Angriffe auf München in diesem Bereich sammelten am Vordringen in die Hauptstadt hindern.“ Trotz „mancherlei Unbill“ habe er „eine sehr schöne Erinnerung“ an Gilching. Zumal er als Flakhelfer, wie auch von Rebay, der Telefonvermittlung zugeteilt wurden, „waren wir von allen militärischen Übungen frei, und niemand wagte, sich in unsere kleine Welt einzumischen.“

Uli Singer

Uli Singer

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