Vom Klopapierfabrikanten zum erfolgreichen Verleger
Dieser Tage wurde Dr. Dirk Ippen durch Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit dem Bayerischen Verfassungsorden ausgezeichnet
München/Landkreis Starnberg – Im Rahmen eines Festakts hat Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Maximilianeum 42 Persönlichkeiten mit dem Bayerischen Verfassungsorden 2025 ausgezeichnet. Mit dem Orden wurden Bürgerinnen und Bürger gewürdigt, die sich in besonderer Weise um die Verwirklichung der Grundsätze der Bayerischen Verfassung verdient gemacht haben.
Unter den neuen Ordensträgern findet sich auch Dr. Dirk Ippen, einer der bedeutendsten Zeitungsverleger Deutschlands, der die Medienlandschaft und das demokratische Gemeinwesen über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat und weiterhin prägt.

In Bayern ist er unter anderem Mehrheitseigner der München Merkurs und der TZ. In seiner Laudatio wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass sich Ippen zusammen mit seiner Ehefrau Marlene unter anderem im Verein „Lebensmut“ in München engagiert, der sich für eine psycho-onkolgische Begleitung von Krebspatienten einsetzt.
Doch Dr. Dirk Ippen hat sich nicht nur in Punkto Medienlandschaft und sozialen Bereichen einen Namen gemacht, aus seiner Feder stammt auch ein Buch, in dem er aus einer Zeit berichtet, die gut 77 Jahre zurück liegt. Damals war es ein achtjähriger Junge, der bereits die Bedeutung der Zeitung als Lektüre, aber auch in Punkto Verwendung als Toiletten- sowie als Packpapier erkannt hat. Und das kam so:
Mein Leben mit Zeitungen
Von Dr. Dirk Ippen
„Meine kindlichen eigenen Schritte als „Kaufmann“, wenn man es so nennen wollte, liegen noch vor der Währungsreform 1948. In der Zeit, in der man nichts kaufen konnte, bekam ich ein winziges Stück Gartenland zugeteilt durch die Freundlichkeit unseres Vermieters. Darauf durfte ich anpflanzen, was ich wollte. Ich entschied mich für Tabak, der in Nordwestdeutschland natürlich kaum gedieh. Die Blätter musste ich grün ernten.

Zum Trocknen hängte ich sie auf den Dachboden an den Drähten auf. Klein gerieben und in Tütchen aus Zeitungspapier verpackt, verkaufte ich sie in unserer Nachbarschaft. Da lebten Flüchtlinge, Familien mit Männern, die zu Untätigkeit verdammt waren.

„Was du da hast Junge, ist doch kein Tabak“, meinten sie, aber da es sonst nichts gab, nahmen sie meine Tütchen doch und gaben mir Groschen der wertlosen Reichsmark-Währung dafür. In gleicher Weise hatte ich auch einen kleinen Handel mit Klopapier, welches es ja ebenfalls nirgendwo zu kaufen gab. Dazu sammelte ich Zeitungen, schnitt sie in kleine Blätter, durch die ein Draht gezogen wurde. So ließ sich am stillen Örtchen ein kleines Päckchen an den Nagel hängen.
Packpapier aus alten Zeitungen für Fischhändler
Nach der Währungsreform, vor allem in der Korea-Krise 1950, war Zeitungspapier knapp und sehr begehrt. Ich sammelte, wo ich konnte, in der ganzen Nachbarschaft alte Zeitungen, machte sie glatt und verkaufte sie zu Kilopaketen gebündelt an einen Fischhändler in der Stadt. Von dem Geld, das ich bekam, ist mir nicht mehr viel in Erinnerung. Wohl aber weiß ich noch, wie gut es mir tat, wenn Händler mich vor den Kunden als fleißigen Jungen lobten, der sich nützlich zu machen weiß.“
(Aus „Mein Leben mit Zeitungen“ – erschienen 2019 im Societäts-Verlag)
Erfolg macht glücklich und zufrieden
Die ersten Geschäfte des „kleinen Dirk“ liegen nun 77 Jahre zurück. Seither bewies Dr. Dirk Ippen, am 13. Oktober 2020 feierte er seinen 80sten Geburtstag, dass er stets einen außergewöhnlichen Riecher für gute Geschäfte hatte und zudem ein Gespür dafür, was seine Leser mögen und mit welchen Inhalten er sie begeistern konnte. Heute zählen in etwa 100 Titel zu seiner Firmengruppe. Darunter der Münchner Merkur sowie die TZ.
Und was rät Dirk Ippen, Deutschlands Nummer 4 im heiß umkämpften Zeitungsgeschäft, jungen Menschen?
„Das größte Anliegen meiner Erinnerungen ist es, junge Menschen, die unternehmerisch tätig sein wollen, auf ihrem Wege zu ermuntern. Es ist ein großes Glück, erfolgreich etwas gestalten zu können. Diese Freiheit hat außer dem Unternehmer sonst nur der Künstler. Und wenn etwas nicht klappt, dann ist es kein Versagen oder gar eine Schande. Stets hat mich der Wettbewerb motiviert und zu neuen Ideen gebracht…
So ein Buch ist wie eine Flaschenpost. Niemand weiß, wen es erreichen wird. Ich wäre glücklich, wenn auch nur ein einziger junger Unternehmer durch die Lektüre meiner Erinnerungen motiviert wird, ebenfalls seine Kräfte einzusetzen…“.
Uli Singer
Fotos: Dr. Ippen/Merkur



