Wer macht in der Stichwahl das Rennen? Und warum ich persönlich Schrafstetter vorziehe
Siegl landet im Topf der Dampfplauderer – Schrafstetter trotz Schwächen entwicklungsfähig.
IN EIGENER SACHE
Ursprünglich wollte ich mich persönlich aus einer Wahlempfehlung heraushalten. Doch, warum eigentlich? Ich bin zwar gebürtige Münchnerin, lebe aber schon seit gut 50 Jahren im Landkreis Starnberg und seit einem Vierteljahrhundert in Gilching. Wie schon in München, habe ich mich auch hier die Jahre über sozial wie kulturell engagiert sowie rund 25 Jahre lang unter anderem die Ratssitzungen in Gilching für den Starnberger Merkur betreut. Ja, und deshalb habe ich auch die Verpflichtung, wählen zu gehen und, wie es viele andere Bürger schon getan haben, auch das Recht, eine Wahlempfehlung abzugeben.
Am morgigen Sonntag entscheidet nun in einer Stichwahl, wer künftig an der Spitze der Gemeinde Gilching die Projekte vorwärtsbringen soll, die 18 Jahre lang im Ratsgremium diskutiert, geplant, verschoben, in die verschiedenen Hände von diversen Gutachtern gelegt wurden und dann wieder in der Schublade verschwunden sind. Die Glatze, der Bahnhofsvorplatz, der Bewegungspark für Senioren, die Fußgängerzone, der Verkehr, etc. etc. etc. Die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen. Fazit: Außer Spesen nix gewesen“
Um „ein Weiter so“ zu verhindern, braucht es nun an der Spitze einen Bürgermeister, der anpackt, der sich mit den Themen auskennt, der die Bürger mitnimmt und auf dessen Wort man sich verlassen kann.
Zur Auswahl stehen Roland Schrafstetter, der von der CSU ins Rennen geschickt wurde und durch die FDP unterstützt wird. Die Freien Wähler haben sich für Stefan Siegl aus dem Ortsteil Geisenbrunn entschieden.
Was unterscheidet nun die beiden und wem traue ich persönlich zu, dass er die Sache gut macht?
Ganz ehrlich – es wird kein leichter Job und eine Garantie, dass er der Richtige dafür ist, gibt es weder fürn Schrafstetter noch fürn Siegl. Ich habe die beiden allerdings die Wochen über nicht aus den Augen gelassen und mehr darauf geachtet, wen ich mit gutem Gewissen in die Schublade Dampfplauderer ablegen könnte.
Klarer Sieger in Punkto Dampfplauderer: Stefan Siegl. Seit seiner Nominierung im Oktober 2025 ist er zwar sehr rührig aufgetreten. Doch das, was er oft von sich gab, unter anderem schockte er mit einem Video-Clip, wo er sich als Rapper gibt und inhaltlich die „Motherfucker“ im Visier hat, ist mehr als fragwürdig. Einblick in seinen wahren Charakter zeigte Siegl allerdings im Rahmen der Podiumsdiskussion, zu der der „Starnberger Merkur“ alle vier Bürgermeisterkandidaten eingeladen hatte. „Überheblich und arrogant“ wurde er allgemein bewertet. (Nachzuschauen auf der Seite der Heimatzeitung.)
Arbeitslos? Keine Schande, aber zugeben sollte man es
Dem Fass die Krone aber setzt letztendlich auf, dass er es mit der Wahrheit nicht sehr genau nimmt. Postet Siegl doch von Beginn an auf seinen Flyern, im Facebook, auf seiner Homepage und verklickerte dies auch den Medien:
„Ich bin Stefan Siegl, Betriebswirt (IHK) und seit über 25 Jahren im internationalen Vertrieb tätig. Aktuell arbeite ich als Sales Manager DACH für eine portugiesische Holding.
Durch meine langjährige Erfahrung im internationalen Geschäfts- und Verhandlungsumfeld habe ich gelernt, mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe, Meinungen und Interessen lösungsorientiert zusammenzuarbeiten.“
Dabei pfeifen es mittlerweile schon die Spatzen von den Dächern, und wurde unter anderem aus Reihen der Freien Wähler bestätigt, dass Siegl bei seiner Kandidatur im Oktober schon wusste, dass er zum 1. Januar 2026 arbeitslos und auf Stellungssuche ist. Und da sei ihm das Angebot der Freien Wähler, ihn zum Bürgermeister hoch zu schaukeln, gerade Recht gekommen, heißt es.
Nur zur Klarstellung: Es ist keine Schande, arbeitslos zu sein. Doch den Wähler zu täuschen und vorzugaukeln, man sei erfolgreicher Sales Manager, das geht gar nicht. Meine berechtigten Befürchtungen: Nimmt es ein Bürgermeister schon während des Wahlkampfes mit der Wahrheit nicht so genau – bleibt er sich auch im Amt treu.
Und nun kurz auch zu Roland Schrafstetter. Obwohl ich bei ihm auch diverse Schwächen sehe, er sitzt aber seit Jahren – Siegl wurde nie gesichtet – in den jeweiligen Ratssitzungen, kennt sich deshalb gut aus, ging als Sieger bei der Merkur-Podiumsdiskussion hervor, ist bodenständig und geht regelmäßig mit seinem Vierbeiner Juno spazieren. Nein, unter Dampfplauderer kann man ihn nun wirklich nicht einordnen – vielmehr werde ihm sogar vorgeworfen, eher „mundfaul“ zu sein.
MEIN FAZIT: Siegl in den Topf der Dampfplauderer – Schrafstetter bei gutem Willen durchaus entwicklungsfähig.



