Das „Quartett der Goldenen Achtziger“ freute sich über die „Goldene Ehrenamtskarte“
Gilching – Was wäre, gäbe es in Deutschland keine Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren? Das gesellschaftliche Leben würde zusammenbrechen. Egal, ob im Katastrophenschutz, bei den Freiwilligen Feuerwehren, im Amateursport wie auch in sozialen Bereichen wie bei Tafeln und in Hospizen. Dort leisten die Ehrenamtlichen wertvolle Arbeit. Der Staat könnte die dafür nötigen Milliarden Euro und Arbeitsstunden unmöglich kompensieren. Vier dieser aktiven Menschen erhielten jetzt als Dankeschön für 25 Jahre Ehrenamt die „Goldene Ehrenamtskarte“.
Die Bayerische Ehrenamtskarte
47 Prozent der Menschen in Bayern über 14 Jahren engagieren sich ehrenamtlich, so das bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Und um auf 25 Jahre und in den Genuss der goldenen „Bayerischen Ehrenkarte“ zu kommen, muss man schon ein gewisses Alter und viele Stunden Ehrenamt erreicht haben.

So wie Hella Büttrich (80), Hanka Schmitt-Luginger (84), Wilfried Waiblinger (86) sowie Dieter Weiß (86). Sie sind allesamt in Gilching ansässig und werden künftig als „Quartett der Goldenen 80iger“ unterwegs sein. Naja, Hella Büttrich hat sich um einen Monat älter gemacht, räumt sie ein, damit sie im Kreis der befreundeten 80jährigen auch mitmischen kann.
Denn aktiv will das Quartett auch weiterhin bleiben. Dieter Weiß betreut seit über 20 Jahren eine Seniorengruppe, die sich jeweils am Montag in der Katholischen Kirche trifft und Englisch büffelt. „Unsere Gruppen waren und sind sehr wissbegierig, weshalb wir auch viele Bildungsreisen in Städte wie Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Lindau, München und Freising unternommen haben. Und was vorher keiner für möglich gehalten hätte: unser Senioren-Englisch wurde zum Erfolgsmodell.“
Wilfred Waiblinger wiederum hat sich viele Jahre der Gilchinger Ortsgeschichte angenommen, Aquarelle dazu gezeichnet, die er nach Ausstellungsende an Interessenten verschenkte und ein aufwendiges Buch über die Wegkreuze in Gilching verfasst. Außerdem gehört er zu den Gründungsmitgliedern des „Vereins Zeitreise“, in dem er sich auch heute noch engagiert.
Hanka Schmitt-Luginger war 18 Jahre lang Vorsitzende des Seniorenbeirats und hat, auch Dank ihrer guten Beziehungen zur Bayerischen Politik in München, vieles auf die Wege gebracht, Ideen umgesetzt aber auch mal die eine oder andere Niederlage einstecken müssen. „Was ich echt bedaure, ist, dass es uns trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, den Bewegungspark für Senioren durchzubringen. Aber auch mein Herzenswunsch, eine Erzähl-Café einzurichten, ist gescheitert.“ Doch den Kopf in den Sand stecken wird Schmitt-Luginger nicht. Sie engagiert sich jetzt bei „Lebendiges Gilching“ und macht mit, wo sie gebraucht wird.
Zu guter Letzt Hella Büttrich, von 2014 bis 2020 unter Schmitt-Luginger die gute Seele im Seniorenbeirat und fit, was die Öffentlichkeitsarbeit anging. Vorher aber war sie von Mai 2003 bis August 2022 ehrenamtliche Betreuerin einer schwer behinderten Frau. Seit 2020 ist sie nun „Bahnhofspatin für den Bahnhof Gilching-Argelsried“. Wie, Bahnhofspatin? Gibt es so etwas? „Ja, wir Paten der Bayerischen Bahnhöfe legen ein besonderes Augenmerk darauf, dass unter anderem die Fahrpläne angebracht sind, melden eingeschlagene Scheiben oder unrechtmäßige Graffitis und kümmern uns auch darum, dass das Bahnhofs-Gelände so weit als möglich ordentlich aussieht.“

Die vier goldenen Ehrenamtskarten wurden durch Anja Holzgreve von der Fachstelle im Landratsamt Starnberg, „Ehrenamt & Engagement“ (f.e.e.), im Café Reis in Gilching überreicht. „Der Vorteil der goldenen Ehrenamtskarte gegenüber den Ehrenamtskarten generell ist, dass sie nicht mehr alle zwei Jahre verlängert werden muss, sondern unbegrenzt gültig ist“, erklärte Holzgreve.
Vergünstigungen gibt es unter anderem bei der Bayerischen Seenschifffahrt, beim Besuch bayerischer Schlösser und Museen, wie sich auch schon etliche Kinos der Aktion angeschlossen haben. Im Landkreis Starnberg wurden bisher rund 800 goldene Ehrenamtskarten ausgegeben, betonte Holzgreve. Wobei nicht bekannt sei, wer sie noch nutzt, da die Karte im Sterbefall nicht zurück gegeben werden muss.



