Aus Lost Place wird Mitmach-Werkstatt
„Jahrelang war das ehemalige Jugendhaus an der Weßlinger Straße in Gilching ein echter Lost Place: verwilderter Garten, bröckelnde Fassade, verlassene fensterlose Räume. Nun soll aus dem Schandfleck ein Ort für Tüftler, Bastler und junge Menschen werden.“
Der Gemeinderat beschloss am Dienstagabend einstimmig, das marode Gebäude nicht abzureißen, sondern dem Gilchinger Verein „Ausgepfuscht – Offene Werkstatt“ für zunächst fünf Jahre pachtfrei per Nutzungsvereinbarung zu überlassen. Die Zustimmung erfolgte allerdings unter verschiedenen Auflagen.
Ganz ohne Diskussion ging die Entscheidung nicht über die Bühne. Mehrere Gemeinderäte wollten wissen, ob für das Vorhaben ein tragfähiges Finanzierungskonzept vorliegt und ob möglicherweise doch Kosten auf die Gemeinde zukommen könnten. Außerdem wurde angeregt, das Gebäude bei einem Ortstermin genauer unter die Lupe zu nehmen.

Daraufhin erhielt Gerald Freundl vom Vorstand des Vereins das Wort. Der Elektroingenieur nutzte die Gelegenheit, um das Projekt persönlich vorzustellen – mit Erfolg. Viele Arbeiten, darunter die komplette Elektroinstallation, sollen in Eigenleistung erbracht werden. Zwischen 30.000 und 60.000 Euro stünden dem Verein nach eigenen Angaben bereits durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Fördermittel zur Verfügung. Zwar rechne man insgesamt mit Kosten von etwa 50.000 Euro, die noch fehlenden Mittel wolle man jedoch einwerben.
Die laufenden Unterhaltskosten übernimmt der Verein selbst. Auch die Pflege der Außenanlagen gehört künftig zu seinen Aufgaben. Der Garten soll dabei nicht nur den Vereinsmitgliedern offenstehen, sondern auch Jugendlichen als Treffpunkt dienen.
Hinter der Offenen Werkstatt stehen Maschinenbau- und Elektroingenieure, Handwerksmeister, IT-Fachleute und Pädagogen. Gemeinsam mit dem Repair-Café wollen sie handwerkliches Wissen weitergeben und junge Menschen bei der Berufsorientierung unterstützen. In der Werkstatt wird geschweißt, gebohrt, gesägt, gedrechselt und gefräst. Zur Ausstattung gehören unter anderem Dreh- und Drechselbänke, zahlreiche Maschinen, eine Fahrradwerkstatt und moderne 3D-Drucker. Mit deren Hilfe entstehen sogar kleine Igel-Tore, die von den Ehrenamtlichen kostenlos in Gartenzäune eingebaut werden – damit die stacheligen Gartenbewohner auch künftig ungehindert auf Wanderschaft gehen können.
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Text/Foto: Uli Singer



