Amor im katholischen Pfarrsaal: Wenn Römer zu sehr lieben
Dr. Stefan Merkle begeistert im Seefelder Saal Peter & Paul
Seefeld – Eine literarisch-musikalische Zeitreise der besonderen Art genossen die Zuhörer am Samstag Abend im Seefelder Saal von „Peter & Paul“. Der Kulturverein „Räsonanz“ hatte Dr. Stefan Merkle eingeladen, der im Rahmen seines gleichermaßen lehrreichen wie humorvollen Vortrages über ein Thema referierte, das so alt ist, wie die Menschheit selbst – von den alten Lateinern jedoch unter ganz eigener Dramatik dokumentiert wurde.
Unter dem vielversprechenden Titel „Wenn Römer zu sehr lieben“ zelebrierte der bekannte Altphilologe Dr. Stefan Merkle die Liebesliteratur der römischen Geschichte. Dass es sich bei dem Zustand des Verliebtseins aus antiker Sicht keineswegs nur um pure Romantik, sondern nicht selten um einen besorgniserregenden, ja fast pathologischen Zustand handelte, machte der Referent auf besondere Art deutlich. Mit viel Charme, profundem Wissen und einer gehörigen Portion Humor präsentierte und analysierte er die antiken Texte und machte sie auch den Nicht-Lateinern auf amüsante Weise zugänglich.
Ein prominenter Schwerpunkt des Abends lag dabei auf erotischen Gedichten und Texten, wie beispielsweise von Ovid. Der berühmte römische Dichter, der für seine meisterhaften Liebesgedichte und die „Ars amatoria“ (Die Liebeskunst) bekannt ist, diente als perfektes Anschauungsmaterial für die amourösen Verstrickungen der Antike. Merkle verstand es hervorragend, eine Brücke zur Moderne zu schlagen und zu zeigen, wie zeitlos die emotionalen Berg- und Talfahrten der Leidenschaft sind.

Doch der Abend war weit mehr als eine klassische Universitätsvorlesung. Dr. Stefan Merkle entpuppte sich als echter Entertainer: Er griff selbst zur Gitarre, sang Lieder und streute passend zum Thema gängige Schlager ein. Begleitet wurde er dabei von drei kongenialen Musikern und Sängern, die den Saal mit ihren beschwingten Zwischenspielen begeisterten.
Auf den Nenner gebracht: Das Quartett präsentierte eine gelungene Mischung aus fundierter Wissenschaft, Wort, Bild und mitreißendem Rhythmus, was zu einem rundum kurzweiligen Erlebnis beitrug.
Der Abend hielt am Rande außerdem eine nicht ganz unwichtige Entdeckung bereit: Dr. Stefan Merkle ist der Sohn des allgemein geschätzten Autors Ludwig Merkle, unter anderem des Schöpfers des bayerischen Kult-Buchs „Preiß’n dratz’n“. Da ist das erzählerische und humoristische Talent ganz offensichtlich in der Familie geblieben – eine wunderbare Parallele, die den Abend perfekt abrundete.
Das Fazit des Publikums war eindeutig: Ohne jegliche Lateinkenntnisse, aber mit viel Begeisterung, erlebten die Gäste eine informative wie unterhaltsame Sternstunde. Dem Verein „Räsonanz“ ist hier einmal mehr ein echtes Kultur-Highlight gelungen, das mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Text/Fotos: Oliver Kübrich



