A bisserl Rückzug, a bisserl Aufstieg – politische Real-Satire aus dem Guichinger Rathaus
Stimmen die Gerüchte, spekuliert Manfred Walter auf den Posten des Vize-Landrats
Gilching – Ob Sie es nun glauben oder auch nicht – manchmal schreibt das wirkliche Leben die besten Satiren. Hat mir doch heute bei einem Ausflug nach Herrsching eine so genannte „rote Socke“ – aber total sympathisch – etwas zugeflüstert, bei dem selbst abgebrühte Kommunaljournalisten kurz schlucken: Soll doch der noch amtierende Gilchinger Bürgermeister Manfred Walter – der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zum 30. April niederlegt – politisch keineswegs an Rückzug denken. Ganz im Gegenteil: Nach Informationen aus SPD-Kreisen strebt er nun gleich mehrere neue Ämter an.
Konkret kandidiert Manfred Walter für je einen Sitz im Gilchinger Gemeinderat sowie im Starnberger Kreistagsgremium. Und, mich hat es heute fast vom Hocker gehauen – möglicherweise habe er es sogar auf den Posten des stellvertretenden Landrats abgesehen. Ein bemerkenswerter Karriereplan für jemanden, der seit Jahren öffentlich erklärt, sein Körper zeige spürbare gesundheitliche Negativerscheinungen, unter anderem in der SZ zum Besten gibt, dass er bedroht werde und um Polizeischutz anfragt, weil Gilchinger Bürger – auch eine kleine Gruppe der AfD – eine Demo gegen die Windräder vor dem Rathaus offiziell angekündigt hatten.
Aber lassen wir das einmal so stehen
Lehnen Sie sich kurz zurück – denn wenn man sich die politische Geschichte der letzten Jahre in Gilching ansieht, wirkt manches tatsächlich wie eine Mischung aus Lokalpolitik, Krimi und Realsatire.
Ein rätselhafter Rückzug um 2015 herum
Viele erinnern Sie sich noch an die Episode, als Bürgermeister Walter kurz nach Beginn seiner zweiten Amtszeit plötzlich für mehrere Wochen verschwunden war. Sein Auto wurde damals am Starnberger See gefunden – mitsamt Papieren und Geldbeutel. Erst später stellte sich heraus, dass er sich bei Bekannten in Griechenland aufgehalten hatte. Die offizielle Erklärung für den nicht angekündigten Ausstieg lautete damals, gesundheitliche Gründe hätten ihn zu diesem Schritt bewogen – eine lange Erholungszeit folgte, während der Vize Martin Fink die Geschäfte führte.
Die berühmten 2500-Euro-Stühle
Für bayernweite Schlagzeilen sorgte 2014/2015 eine Bestuhlung für den Sitzungssaal im neuen Gilchinger Rathaus. Wie üblich, fand eine Ausschreibung statt. Vom Stuhl fielen die Ratsmitglieder jedoch, als sie faktisch und letztendlich auch gezwungen waren, Designerstühle des Modells Fritz Hansen – Oxford 3293“ für 2500 Euro pro Stück anzukaufen. Wobei nie geklärt wurde, inwieweit persönliche Beziehungen zu der Firma, die als einzige das Modell führte, bestanden.
Hier ein Kommentar aus dem Starnberger Merkur:

Weshalb Journalisten plötzlich als gefährlich eingestuft werden
Spannend wird es allerdings, sieht man sich die letzten zwei Jahre genauer an. Denn in dieser Zeit baute sich eine seit längerem bemerkenswerte Entwicklung auf:
Als langjährige Journalistin, die rund 25 Jahre die Gemeinde Gilching unter anderem für den Starnberger Merkur betreute, wurde ich plötzlich seitens der Kommune von jeglichen Informationen ausgeschlossen. Zudem erhielten Gemeinderäte nach deren Informationen sogar den Auftrag, mir gegenüber jegliche Auskünfte zu verweigern. Dieses Verbot wurde mittlerweile auf die Mitarbeiter im Rathaus sowie den Bauhof erweitert.
In einer E-Mail, die mir vorlag, begründete Bürgermeister Manfred Walter seine Anordnung mit dem bemerkenswerten Satz:
„Diese Frau ist sehr gefährlich.“
Für mich eher eine Aufwertung, als dass ich länger darüber nachgedacht hätte. Bei den Gemeinderäten und im Rathaus aber entwickelte sich dieser eine schöne Satz – ein „sehr“ habe ich noch hinzugefügt, es spricht sich einfach besser – bald zu einem Running Gag.

Und wie war das mit der Kulturwoche 2024?
Wir, von „Lebendiges Gilching“ – eine kreative und auch immer wieder personell wechselnde Gruppe, die schon mit etlichen Aufführungen im Rathaus Erfolg hatte, führten bei der Kulturwoche im Oktober 2024 die Geschichte des „Goldmacher Tausend“ auf – eine historische Episode aus Gilching.

Mitwirkende waren unter anderem
- Herrschings Bürgermeister Christian Schiller
- Gilchings Bürgermeister Manfred Walter
- Landrat Stefan Frey
- Gemeinderäte und Mitarbeiter der Verwaltung
- Ballett-Kinder der Musikschule und Kinder der Integrationshilfe Gilching.
Die Veranstaltung war ausverkauft und kam supergut an. Bemerkenswert und berührend aber war, dass erstmals auch die Eltern der Integrationskinder und deren Geschwister mit im Publikum saßen und sichtlich stolz auf ihren Nachwuchs waren.



Umso überraschender war dann am 5. Februar 2025 eine E-Mail aus dem Rathaus folgenden Inhalts:
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Von: Gemeinde Gilching – Jakobus Ciolek <Ciolek@gemeinde.gilching.de>
Datum: 5. Februar 2025 um 10:48:40 MEZ
An: Uli Singer <singer@singer-online.de>
Betreff: AW: Kulturwoche
Hallo Uli,
ich habe mit Manfred und Dr. Rappenglück gesprochen. Wir hatten zu Goldmacher 1000 zahlreiche sehr negative Rückmeldungen im Rahmen der Kulturwoche 2024. Sowohl das Bühnenprogramm als auch das Auftreten von Dir/Euch als Veranstalter wurde stark kritisiert. Wir möchten nicht, dass so etwas noch einmal im Rahmen der Kulturwoche stattfindet. Daher können wir Eure „Superstar“-Idee nicht bei der Kulturwoche 2025 unterbringen.
Viele Grüße
Jakobus
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Eine Aussage, die alle Beteiligten bis heute verwundert
Das Mail von wegen vieler Beschwerden war meines Erachtens eine reine Erfindung und eine Beleidigung aller Akteure, die ihr Bestes gegeben und super mitgemacht hatten. Vier Monate nach dem Spiel sollten plötzlich Beschwerden eingegangen sein? Wir machten uns sogar die Mühe und telefonierten anhand der Reservierungsliste die Besucher durch – alle waren begeistert und entsetzt über die Attacken der Herren Rappenglück, Walter und Ciolek.
Was tatsächlich dahinter steckte, dass uns nun verboten wurde, an der Kulturwoche 2025 teilzunehmen – wir hatten ein Konzert mit der „Couplet AG“ plus einem Wettbewerb unter dem Titel „Gilching sucht den Superstar“ für Kinder und Jugendliche vorgesehen, wird in die geheimnisvollen Annalen der Gemeinde Gilching eingehen. Selbst als wir das Konzert zum „Oberen Wirt“ verlegten, wurden wir seitens der Verhinderer durch diverse Aktionen blockiert… Den Fans der Couplet AG, die bereits Karten gekauft hatten, verklickerten wir damals, dass Filmaufnahmen dazwischengekommen sind. Wir schämten uns schlichtweg für das, was da ohne ein Gespräch und ohne einen Grund anzugeben, abgelaufen ist. Das Konzert findet jetzt voraussichtlich am 20. Mai statt.
Zudem drohte Walter, was er den Gemeinderäten mitteilte, gegen mich als Betreiberin der Online-Zeitung Stanet.de ein Strafanzeige zu stellen. Was anscheinend mangels berechtigter Gründe dann doch fallen gelassen wurde. Wie gesagt, ohne je ein Gespräch oder sonst etwas zu führen. Im Gegenteil, er hat mir bis zum 5. Februar 2025 immer sehr freundlich ins Gesicht gelogen…
Was kommt nun auf uns zu???
Während Manfred Walter, wie berichtet, seinen Rückzug als Rathauschef aus gesundheitlichen Gründen erklärte, kursieren mittlerweile Gerüchte über neue politische Ambitionen. Vielmehr wolle er nicht nur weiterhin im Gilchinger Gemeinderat als einfaches Mitglied mitmischen, sondern auch im Kreistag das Wort ergreifen. Nein, dem nicht genug. Er soll vorgeblich auch auf das Amt des stellvertretenden Landrats spekulieren. Als berechtigten Grund, den Posten der Spd zu geben, gab mein Herrschinger Spd-Spezi an, dass ja die Spd zugesagt habe, keinen eigenen Landratskandidaten aufzustellen und stattdessen den amtierenden CSU-Landrat zu unterstützen – was voraussetze, dass die Spd auch Anspruch auf den den Vize-Landrat stelle. Letztendlich aber entscheidet dann doch das Kreistagsgremium, wer den Posten bekommt. Und da darf man echt man gespannt sein, ob das Gremuim das Spiel, falls an den Gerüchten etwas dran ist, mitspielt.
Manchmal schreibt das Leben tatsächlich Geschichten, die kein Satiriker besser erfinden könnte. Gruselig ist die Vorstellung allemal, dass jemand, der sich in Gilching wahrlich keine Lorbeeren verdient hat nun eine Stufe höher rutschen soll…
Hoffnung besteht noch, dass es sich bei dem Gerücht um ein Riesen Missverständnis handelt – oder gar um eine Inszenierung, um so kurz vor der Wahl ein bisschen Verwirrung zu stiften.




