Volles Haus, klare Positionen und ein kurzer Moment mit großem Applaus
Vier Kandidaten für den Gilchinger Rathaussessel - Diskussion wurde aufgezeichnet und ist auf der Merkur-Seite demnächst abrufbar
Gilching – Die Podiumsdiskussion des Starnberger Merkurs im Gilchinger Rathaus erwies sich am Dienstagabend als kurzweilig und informativ. Eingeladen waren die Bürgermeisterkandidaten von CSU, SPD, Freien Wählern und Grünen. Unter der Moderation von Redaktionsleiter Peter Schiebel erhielten die Besucher einen guten Einblick in Charaktere, Argumentationsweisen und politische Schwerpunkte der vier Bewerber. Eindeutige Pluspunkte sammelte dabei CSU-Kandidat Roland Schrafstetter.
Schon vor dem offiziellen Einlass um 18.30 Uhr waren sämtliche Plätze im Veranstaltungssaal belegt. Auch das Foyer sowie das Sitzungszimmer, in das die Diskussion übertragen wurde, füllten sich rasch. Wer pünktlich erschien, musste aus feuerpolizeilichen Gründen wieder nach Hause geschickt werden – sehr zum Unmut einiger Bürger. Insgesamt verfolgten rund 380 Interessierte die Veranstaltung, verteilt auf mehrere Räume.
Zu Beginn sprach Schiebel von „vier starken Kandidaten“ und stellte gleich die Frage ans Publikum, wer sich bereits entschieden habe. Gefühlt gingen im Saal nahezu alle Hände nach oben – ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Besucher mit klarer Meinung gekommen waren.
Beim Thema Qualifikation zur Führung einer modernen Gemeinde mit knapp 20.000 Einwohnern setzte Steffi Weller (SPD) auf ihre berufliche Erfahrung. Sie betonte, als „einzige für das Bürgermeisteramt“ befähigt zu sein. Seit Jahren leite sie die größte Abteilung der Gemeinde Gilching. Und seit Mai 2018 sei sie Fachbereichsleiterin „Kinder und Jugend“ und für über 100 Mitarbeitende verantwortlich. „Meine berufliche Leidenschaft ist es, Konflikte zu lösen“, erklärte die gelernte Erzieherin. Kritik äußerte sie an CSU, FDP und an den Freien Wählern, die die geplante Bebauung der sogenannten „Glatze“ nochmals prüfen lassen wollen. Das SPD-Konzept sei ihrer Meinung nach hervorragend gewesen, die erneute Diskussion für sie nicht nachvollziehbar.
CSU, Freie Wähler und FDP hingegen befürchten, dass ein nahezu autofreies Quartier von künftigen Bewohnern nicht akzeptiert werde. Zudem sei ein Stopp der Planungen nie Ziel des gemeinsamen Antrags gewesen, so Stefan Siegl, sondern eine konstruktive Weiterentwicklung. „Ohne ausreichende Parkmöglichkeiten würde sich das Problem lediglich in die umliegenden Straßen verlagern“, mahnte der Kandidat der Freien Wähler.
Unterstützung erhielt Weller von der Grünen-Kandidatin Melanie Kude. Sie warnte davor, dass junge Menschen Gilching mangels bezahlbaren Wohnraums verlassen könnten. Die Nähe zur S-Bahn ermögliche es, auf Autos zu verzichten. Wichtig sei ihr jedoch, dass bezahlbarer Wohnungen gebaut würden, diese in Verantwortung der Gemeinde bleiben und so dauerhaft bezahlbar bleiben.
Roland Schrafstetter (CSU) stellte diese Sichtweise infrage. „Bezahlbarer Wohnraum klingt gut und wird im Wahlkampf gern bemüht, ist aber erfahrungsgemäß nur selten realistisch umsetzbar“, gab er zu bedenken. Eine zu starke Reduzierung von Parkplätzen zugunsten zusätzlicher Bebauung könne ähnliche Probleme erzeugen wie im Münchner Stadtteil Freiham, wo nachträglich wieder Parkflächen geschaffen werden müssten. Zudem regte er an, eine bereits festgesetzte Straße entlang der Bahn im Bebauungsplan vorzuhalten, um späteren Generationen nicht den letzten freien Raum zu verbauen.
Diese seine Anregung sorgte für einen Schlagabtausch zwischen Weller und Schrafstetter und einen der lebhaftesten Momente des Abends. Als die Erzieherin erklärte, man wolle keine „Altherrenplanung“ auf der Glatze fragte Schrafstetter gelassen zurück: „Was haben denn alte Herren mit einer Straße zu tun?“ Der Saal reagierte mit tosendem Applaus und herzhaftem Lachen – ein kurzer, aber prägnanter Augenblick, der vielen Besuchern im Gedächtnis bleiben dürfte.
Mein Resümee:
Zusammengefasst zeigte jeder der Kandidaten seine wirkliche Identität: Weller – leicht überheblich und zänkisch, Kude – noch fremdelnd aber unbedeutend – Siegl – gelangweilt und leicht großkotzig – Schrafstetter – entgegen aller Prophezeiungen souverän, humorvoll und durchaus redegewandt.
Die komplette Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet und ist ab morgen, Donnerstag, auf der Seite des Starnberger Merkurs abrufbar.
Uli Singer



