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Das olympische Feuer ging durch Gilching

Neu gab es eine Autobahn sowie einen weiteren S-Bahn-Halt

Gilching – Man schrieb das Jahr 1972. Ein Schicksalsjahr, sowohl fürs Weltgeschehen, aber auch für die Gemeinde Gilching. Während in München die Olympischen Spiele in einem Fiasko endeten, wurde in Gilching ein neues Zeitalter durch die Eröffnung der Autobahn B 12a sowie dem Einsatz der S-Bahnen anstatt der Regionalzüge eingeläutet. Zeitzeugen erinnern sich.

Primäres Ereignis vor 50 Jahren war die XX. Olympiade in München. Schon im Vorfeld wurde landauf landab geplant, umgerüstet und die Chance genutzt, durch verkehrliche Updates dem zu erwartenden Besucher-Andrang im Großraum München Herr zu werden. Unter anderem profitierten Gilching, Argelsried und Geisenbrunn durch Maßnahmen, die damals durchaus als fortschrittlich gesehen wurden. 50 Jahre ist es jetzt her, als am 2. August 1972 das erste Teilstück der lang geforderten Autobahn B 12a eröffnet wurde. „Leider endete die Autobahn erst einmal  am Röchnerknoten“, erinnert sich Gilchings dritter Bürgermeister Heinrich Lenker (FW). „Die Deutsche Bahn war einfach nicht bereit, eine Unterführung unter der S-Bahn zu bauen. Die Erweiterung bis nach Lindau kam dann erst nach und nach“. Für den Ortsteil Geisenbrunn jedoch sei bereits das Teilstück ein „wahrer Segen“ gewesen“, betonte BfG-Gemeinderätin Rosemarie Brosig. „Vor dem Bau der Autobahn bewegte sich ja der ganze Verkehr von München aus über die Bodenseestraße durch Geisenbrunn hindurch. War schon an normalen Tagen unbeschreiblich viel Verkehr, gab es an schönen Wochenenden Riesenstaus durch die Ausflügler, die alle an den Ammersee und abends wieder zurück nach München wollten. Nach Eröffnung der Autobahn war plötzlich Ruhe eingekehrt, da nur noch die durch Geisenbrunn fuhren, die auch hier etwas zu tun hatten. Jetzt haben wir leider durch den Verkehr auf der Autobahn enorme Lärmprobleme. Speziell seit die Fotovoltaik-Anlage steht, ist es gefühlt lauter geworden. Möglich, dass durch die Platten der Hall noch verstärkt wird.“ Für Oliver Kübrich, Schauspieler und Theatermanager, bot damals die Eröffnung der Autobahn eine gute Gelegenheit, seinen gebrauchten VW-Käfer, Baujahr 56, in Punkto Geschwindigkeit zu testen. „Ich war gerade 18, ging aufs Gymnasium in Pasing und hatte neu meinen Führerschein in der Tasche. Es war die erste Möglichkeit, mein hellblaues Auto auf 110 Stundenkilometer auszufahren. Ein tolles Gefühl.“ Neben der Eröffnung der Autobahn bescherte zudem die Umstellung der Regionalbahnen auf die S-Bahnen der Gemeinde einen dritten Haltepunkt „Neugilching“. Für die Mitarbeiter bei Dornier zum Nachteil, weil gleichzeitig der nahe gelegene Halt Weichselbaum aufgelassen und trotz mehrmaliger Versuche bis heute nicht mehr aktiviert wurde. „Also für uns war dies positiv, weil wir in St. Gilgen wohnten und immer zu Fuß bis nach Weichselbaum laufen mussten. Die Station Neugilching war dann viel näher“, resümiert Lenker. 

Doch Gilching war nicht nur durch bauliche Maßnahmen eng mit den Olympischen Spielen verbunden. Die Gemeinde war weit mehr ins Geschehen involviert. Am 25. August kamen unter anderem 120 Jugendliche aus Ludwigsburg (Württemberg), aus Montbéliard (Elsaß) und Caerphilliy (Wales), um angesichts des weltweiten sportlichen Ereignisses in der Mehrzweckhalle des damaligen Schulzentrums ein internationales Jugendlager zu beziehen. Die Gemeinde tat alles, um es den Gästen so angenehm als möglich zu machen. So spendete ein Gilchinger Landwirt einen Ochsen, der dann bei einer zünftigen Feier über einem Lagerfeuer am Spieß gebraten wurde. Den Höhepunkt aber erreichte das olympische Geschehen für Gilching, als am 27. August an der Ecke Römer- und Landsbergerstraße eine heimische Läuferstafette, angeführt durch Karl-Heinz Schramm vom Leichtathletik-Verein Gilching als Fackelträger, das Olympische Feuer einer Radlerstafette übergab. Die Radler fuhren dann Richtung Germering weiter und übergaben dort das Olympische Feuer an die nächsten Fackelläufer.
(Quelle: „Kiltohahing + Arnisriet“ von Peter Iohn)

Uli Singer                      

Uli Singer

KURZVITA zu mir, als Initiatorin der Online-Zeitung: Geboren 1946 in München, Untergiesing war für viele Jahre meine Heimat. Wir hatten einen Zooladen an der Humboldstraße, was für mich bedeutete, sieben Tage die Woche neben der Schule auch "meinen Mann" im Laden zu stehen. Naja, geschadet hat es nicht. Seit etwa 30 Jahren bin ich als Journalistin und Fotografin unterwegs, schreibe Bücher und bin außerdem Vorsitzende des Vereins Kinderinsel. Das war jetzt nur ein kleiner Ausschnitt eines aufregenden Lebens... Mehr dazu kommt demnächst in meiner Biografie unter dem Titel "Madl, laß da net ins Hirn scheißen". Ein Tipp, den mir der bayerische Volksschauspieler Hans Brenner mal mit auf den Weg gab. Hier noch eine kleine Bitte: Die neue Online-Zeitung macht zwar unheimlich viel Spaß, aber auch ganz viel Arbeit. Beteiligt ist ein Team von rund fünf Mitarbeitern. Die wollen zwar alle kein Gehalt, aber es sollte wenigstens ein Obolus für durchgearbeitete Nächte, Fotos und sonstige Dienstleistungen drin sein. Dafür haben wir rechts den Spenden-Button eingerichtet. Nur als Beispiel stehen da 20 Euro mit drauf, es kann aber jeder, der uns unterstützen will, auch mehr, aber selbstverständlich auch weniger, überweisen. Und wenn's nur ein Euro ist und diesen rund eine Millionen Menschen überweisen, Juhuuu, nicht auszudenken. Vielen Dank und viel Spaß beim Schmökern...

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