Die Frau der ersten Stunde – Dr. Agnes Emrich – starb im Alter von 96 Jahren
Sie gilt unter anderem als Gründerin des Sozialdienstes Gilching-Argelsried
Gilching – Eine Ära geht zu Ende: Agnes Emrich, die Visionärin hinter dem Sozialwerk Gilching-Argelsried, ist im Alter von 96 Jahren in Freiburg im Breisgau verstorben. Ihr Vermächtnis in ihrer Wunschheimat Gilching bleibt jedoch lebendiger denn je.
Wer heute in den diversen Chroniken der Gemeinde blättert, stößt unweigerlich auf den Namen Dr. Agnes Emrich. Explizit in Punkto Sozialdienst-Gilching, den sie 1971 gründete. Eine Initiative, die damals alles andere als ein Selbstläufer war. In der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen erinnert sich Agnes Emrich:
„Was da aus der Not und der Sparsamkeit heraus von Bürgerinnen und Bürgern entstand, war für Gilching etwas ganz Neues und Ungewöhnliches. Manche haben diesem Versuch der organisierten nachbarlichen Hilfe keine großen Lebenschancen eingeräumt.“
Trotz aller Skepsis entwickelte sich das Projekt unter ihrer Führung 21 Jahre lang, bis sie 1992 den Stab an Helga Kramny übergab. Typisch auch für die gebürtige Iserlohnerin: In der Festschrift lobte sie zwar ihre Mitstreiter, die Vorstandschaft, die Mitarbeiter – und die Bürger, die durch Spenden zum Gelingen beigetragen haben. Über ihr eigenes, gewaltiges Engagement verlor sie kein einziges Wort – ihre Bescheidenheit war legendär.
Ja, Agnes Emrich war eine Persönlichkeit, die sich sowohl sozial, politisch aber auch kirchlich stark engagierte. Von 1972 bis 1996 saß sie für die CSU im Gemeinderat, war stellvertretende Bürgermeisterin und vertrat die Bürger auch im Kreistag. Außerdem war sie in der Pfarrei St. Sebastian als Pfarrgemeinderätin aktiv und initiierte 1971 den ersten Adventsmarkt in der Gemeinde. Auf den Punkt gebracht: Sie war die treibende Kraft hinter zahlreichen sozialen Projekten, die heute aus Gilching nicht mehr wegzudenken sind.
Wegbegleiter wie Diethard Schmilinsky, langjähriger Leiter der Musikschule Gilching, erinnert sich an eine Frau mit klaren Prinzipien: „Agnes Emrich definierte sich nicht über Titel oder Anerkennung, sondern über ihr langjähriges ehrenamtliches Schaffen.“
Auch innerhalb der Familie hinterlässt sie eine große Lücke. Ihre Schwiegertochter Claudia Schmilinsky-Emrich, verheiratet mit Agnes Emrichs jüngsten Sohn Wolfgang, beschreibt die Verstorbene als eine Frau, die „immer klar in ihren Ansichten war und sich nie beirren ließ.“
Im Jahr 2014 zogen Agnes und Ehemann Ernst Emrich in das Seniorenheim Augustinum nach Freiburg im Breisgau. In Freiburg wird Agnes Emrich neben ihrem Ehemann beigesetzt, der bereits im Oktober 2023 verstorben ist.
Uli Singer



