Wenn nach zehn Uhr morgens die Getränke ausgehen
Gilching erwägt Hochsicherheitspoller am Marktplatz – doch wie kommen Lieferanten, Handwerker und Wirte künftig mit dieser Regelung zurecht?
Gilching – Was geschieht, wenn einem Gastwirt oder dem Café am Markt in Gilching kurz nach zehn Uhr die Getränke ausgehen? Oder aber wenn ein Handwerker, der alles Werkzeug im Wagen parat hat, dringend zu einem der Geschäfte zwecks einer Reparatur muss? Nach den geltenden Regeln stehen sie vor einem Problem. Denn der Lieferverkehr in der Gilchinger Fußgängerzone ist grundsätzlich nur zwischen 6 und 10 Uhr morgens erlaubt.
Diese Regelung sorgte bei Lieferanten und Geschäftsleuten immer wieder für Ärger. Nun beschäftigt sich der Gemeinderat am kommenden Dienstag, 20. Oktober, mit dem Thema. Zur Diskussion steht ein neuer Zufahrtschutz für den Marktplatz.
Hintergrund sind wiederholte unerlaubte Zufahrten außerhalb der festgelegten Lieferzeiten. Die angebrachten Absperrpoller – unter anderem an der Pollinger Straße – ließen sich bisher jedoch mit einem gewöhnlichen Dreikantschlüssel öffnen. Als Zwischenlösung wurden deshalb zwei Poller mit Feuerwehr-Sperrzylindern eingebaut. Sie müssen aber bislang von einem herbei gerufenem Gemeindemitarbeiter von Hand bedient werden.
Aus Sicht der Verwaltung geht es jedoch nicht allein um falsch parkende oder unerlaubt einfahrende Autos. Der Marktplatz werde laut Beschlussvorlage donnerstags von rund 100 Besuchern des Wochenmarktes genutzt. Brunnen, Sitzgelegenheiten und die Außengastronomie machen ihn außerdem zu einem Aufenthaltsort. Was aber passiert, wenn ein Amokfahrer böses im Schilde führt? Die bisher angebrachten Poller könnten ein heranfahrendes Fahrzeug nicht aufhalten und böten daher keinen ausreichenden Schutz, wird befürchtet.
Als mögliche Lösung bringt die Verwaltung automatische Hochsicherheitspoller ins Gespräch, die sogar einem Lastwagen standhalten sollen. Vorgesehen sind zunächst zwei Poller an der Zufahrt von der Pollinger Straße. Diese gilt als besonders riskant, weil ein Fahrzeug auf der geraden Strecke in Richtung Marktplatz erheblich beschleunigen könnte.
Die Anlage könnte zeitgesteuert oder durch berechtigte Benutzer geöffnet werden. Genehmigungen sollen mit einem digitalen Ablaufdatum versehen werden. Zusätzlich wäre eine Fernsteuerung durch die Gemeindeverwaltung möglich. Feuerwehrfahrzeuge könnten die Sperre auch bei einem Stromausfall öffnen. Seitliche Durchfahrtsmöglichkeiten sollen mit Pflanzkübeln versperrt werden.
Für den Wochenmarkt und Veranstaltungen ist eine Durchfahrtsbreite von 4,5 Metern vorgesehen. Die weiteren Zugänge von der Römerstraße und vom Schäftlarner Weg bewertet die Verwaltung wegen ihrer weniger geraden Streckenführung zunächst als weniger gefährlich. Sie könnten später – sofern Geld im Haushalt vorhanden ist – ebenfalls gesichert werden.
Offen blieb bisher, wie „bedarfsgerecht“ die Zufahrt für Lieferanten, Handwerker und Gewerbetreibende tatsächlich geregelt werden soll. Wer erhält eine digitale Berechtigung? Wie schnell kann bei einer ungeplanten Lieferung reagiert werden? Wer hilft außerhalb der Rathauszeiten? Und was geschieht, wenn in der Gastronomie nach zehn Uhr morgens Getränke oder Lebensmittel fehlen? Was für eine Entscheidung im Gemeinderat außerdem fehlt, sind konkrete Kosten für Anschaffung, Einbau, Betrieb und Wartung der Anlage.
Mehr Sicherheit für Fußgänger und Besucher ist zweifellos ein wichtiges Ziel. Ein lebendiger Marktplatz muss jedoch auch für diejenigen erreichbar bleiben, die die Geschäfte und Gaststätten beliefern. Wie beides miteinander vereinbart werden soll, dürfte deshalb die entscheidende Frage für den Gemeinderat am Dienstagabend sein. Beginn der Sitzung: 19 Uhr.
Uli Singer



