Vom Fledermaus-Stunt bis zum letzten Servus: Das Bräustüberl in Seefeld schließt
Seefeld – Ruhig wird es werden. Sehr ruhig. In Bayern tät‘ man sagen: „Staad is worn.“ Nicht heute und auch nicht morgen. Aber spätestens ab dem 26. Oktober. Dann gehen im Bräustüberl im Schloss Seefeld die Lichter aus. Nach fast drei Jahrzehnten verabschieden sich Ursula und Roland Hartmann in den so genannten Ruhestand. Wegen aufwändiger Sanierungsmaßnahmen bleibt die Lokalität vorerst geschlossen.
„Wir sagen Servus – und bedanken uns für 28 tolle Jahre“, steht auf der Homepage vom Bräustüberl. „Ja, es waren wirklich sehr schöne Jahre“, schwärmt Ursula Hartmann, die sich im Biergarten mit Schlosskulisse für ein Abschiedsinterview Zeit genommen hat.
Rundum werden bereits Biergarten-Tische und Stühle verladen, die in den Besitz von Privatpersonen übergehen. „Es muss alles raus“, erklärt Ursula Hartmann. Weshalb sie und ihr Team für Freitag, 13. und Samstag, 14. November, jeweils zwischen 10 und 17 Uhr, zu einem Räumungsflohmarkt einladen. Im Angebot Kostüme aus den Zeiten, als noch groß Silvester und Fasching gefeiert wurde, diverse Möbel, Dekos, Küchen-Equipment, Geschirr, Gläser und vieles mehr.

Seit nunmehr 1999 betrieben die Wirtsleute Ursula und Roland Hartmann, später stiegen noch Sohn Benjamin Wagner und Ehefrau Elisa mit ein, das Traditionshaus Bräustüberl mit diversen Nebenräumen, einem Sudhaus für Feste sowie einem idyllischen Biergarten. Küchenmäßig setzte das eingespielte Team – „einige Mitarbeiter sind auch schon seit über 30 Jahren bei uns mit dabei“ – auf eine moderne bayerische Küche, deren guter Ruf weit über die Region hinaus reichte. Weshalb 2022 auch das Bayerische Fernsehen mit seiner Serie „Landhausküche“ einkehrte.


Im gleichen Jahr machte auch Caroline Reiber mit ihrer Serie „Bayerntour“ Station im Bräustüberl (Foto oben links). Da war echt was los. Nicht nur, dass seinerzeit Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum mit seiner Bürgermeisterband „Doktor SchiWaGu“ für Stimmung sorgte (Foto rechts). Mehr noch brachte eine Fledermaus Unruhe in den mit 170 Gästen besetzten Saal.
Es war der mittlerweile verstorbene Tierschützer Manfred Schelle aus Hochstadt, der dem Auditorium eine kleine Zwergfledermaus präsentierte. Diese jedoch legte einen filmreifen Start aus Schelles Hand hin und irritierte durch sein Herumflattern nicht nur die Gäste, sondern sabotierte zudem auch die Arbeit der Kameraleute. Diese, wie auch die Moderatorin, trugen den Stunt mit Fassung, waren jedoch froh, als Batman sich schließlich an einen Fensterrahmen klammerte und dort von Schelle in Sicherheit gebracht werden konnte.

„Ja, wir haben viel erlebt und sind auch dankbar dafür“, betont Ursula Hartmann. Künftig werden sie und ihr gerade einmal acht Stunden älterer Ehmann, beide sind sie 72 Jahre alt, abwarten, was das Leben noch zu bieten hat. Immerhin bleibe jetzt viel Zeit für die vier Enkel, aber auch für neue Herausforderungen. „Vielleicht schreibe ich ein Buch über die vielen Jahre, in denen wir in der Gastronomie tätig waren“, überlegt die gelernte Hotelfachfrau.
Denn bevor Roland, der das Kochhandwerk erlernte, und Ursula Hartmann in Seefeld einzogen, betrieben sie sechs Jahre lang die Gaststätte in der Stadthalle in Germering. „Ja, und wenn’s uns grad einmal ein wenig langweilig werden sollte, setzen wir uns vor unsere Tuffsäule, „sie hat, seit wir hier sind, um rund 14 Meter Höhe zugelegt“, und erinnern uns schöner alter Zeiten“, schließt Roland Hartmann das Interview.
ACHTUNG: BIS SONNTAG, 25. Oktober, ist normaler Gastronomie-Betrieb. Die Veranstaltungen im „SUDHAUS“ des Vereins „Kultur im Schloss Seefeld“ finden dort auch weiterhin statt.
2 Fotos Bayerntour: Stefan Schuhbauer von Jena
Text/Fotos: Uli Singer



