Starnberg taucht ab – und wird dabei ziemlich bunt
Ein Dampfer, ein Delfin, ein Glückskäfer, eine geschäftige Schildkröte und ein kugliger Fisch mit einem Rot-Kreuz-Köfferchen: An der Einfahrt zur Tiefgarage des Stadt-Markts in Starnberg ist ein Wandbild entstanden, das aus grauem Beton eine kleine Unterwasserwelt zauberte.
Starnberg – Wer zum Stadt-Markt fährt, kann seit Kurzem schon vor dem Einkauf auf Tauchstation gehen. An der Einfahrt zur Tiefgarage zieht sich seit dem Wochenende ein farbenfrohes Wandbild über den Beton: Ein Dampfer nimmt Kurs in die Tiefe, begleitet von einem Delfin. Dahinter leuchten Wasser, Berge und vertraute Starnberger Ansichten auf – vom Schloss bis hin zu den Bootshütten. Mittendrin tummeln sich allerlei eigensinnige Bewohner. Ein gelber Doktorfisch, ein rosa Ballettfisch, eine Schildkröte und ein pinker Beauty- und Shoppingfisch haben ebenso ihren Platz gefunden wie ein grüner Sushi-Fisch. Wer wissen will, wann die Tiefgarage geöffnet ist, muss nur nach dem Oktopus Ausschau halten.
Hinter dem Mural (großformatiges Wandgemälde im öffentlichen Raum) steckt die Künstlerin Naomi Lawrence. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Patricia und vielen Helfern verwandelte sie die Wand in rund zwei Monaten in eine farbige Bildergeschichte. Jugendliche und Passanten packten mit an; an der Konzeptentwicklung war außerdem die Künstlerin LaPince beteiligt. Und zu guter Letzt sorgte Staplerfahrer Richard Bautista mit seinem Gefährt dafür, dass Naomi Lawrence auch die obersten Wandbereiche erreichte.
Die Idee zu diesem großformatigen Wandbild entstand im Umfeld der „Art Starnberg“. Die ART STARNBERG – präsentiert vom Kunstverein Starnberg in Kooperation mit der City Initiative Starnberg und veranstaltet vom Gründer-Duo der ART STARNBERG, Lawrence & Lawrence, ist laut Homepage ein außergewöhnliches Kulturformat, das die gesamte Stadt in eine offene, lebendige Galerie verwandelt. Hotels, Gastronomie-, Gewerbe- und Handwerksbetriebe, Läden, Kanzleien, Praxen sowie private und öffentliche Institutionen werden zu Präsentationsorten für Kunst.
25 Mitglieder des Kunstvereines wirken als ausstellende Künstler mit: Natalia Alf, Paulo de Brito, Christina Faltermayr, Angelika Geißler, Sandra Homberg, Simone Hübner, Ulrike Hubert, Inge Klenk, Susanne Kotrus, Maria Rosina Lamp, Naomi Lawrence, Kerstin Mors, Eva Müller, Andrea Naegele-Rehm, Jelena Nemeth, Marlen Peix, Birgit Rörig, Làszlo Rácz, Jo & Ingrid Reichard, Laure Saur, Ute Schaeberle, Matthias Schilling, Inge Schwarzmaier, Sigrid Wever.
Das Wandbild soll nun den Auftakt für ein größeres Vorhaben bilden: Für 2027 ist ein Mural-Projekt rund um den Starnberger See geplant. Jede Gemeinde soll ein eigenes Werk bekommen, Jugendliche sollen mitwirken und bekannte Künstlerinnen und Künstler dazukommen. Noch werden dafür Sponsoren gesucht.
Gelingt es, wäre dies ein ambitioniertes und schönes Projekt. Denn Kunst muss nicht immer in einem Museum hängen. Manchmal entfaltet sie ihre Wirkung gerade dort, wo man sie nicht erwartet: auf dem Weg in die Tiefgarage, zwischen Beton, Autos und Alltag. Hier wird ein wenig übersehener Ort zu einem, an dem man stehen bleibt und genauer hinschaut. Und vielleicht macht genau das Lust auf mehr Farbe in der Stadt.
Text: Manrico Wortacker/Foto: Andrea Jaksch



