Oberpfaffenhofen – Am 11. August 1999, es war wie heute ein Mittwoch, hielt Deutschland den Atem an. Berühmt wurde dieser Tag vor allem durch eine totale Sonnenfinsternis, die als das letzte große astronomische Jahrtausend-Ereignis in Mitteleuropa Millionen Menschen in den Bann zog und kurzzeitig den Tag zur Nacht machte. Millionen Menschen warteten auf ein Himmelsereignis, das viele nur einmal im Leben erleben würden: die letzte totale Sonnenfinsternis über Deutschland. Baumärkte, Apotheken, Tankstellen und Kaufhäuser verkauften spezielle Sonnenfinsternis-Brillen, vielerorts waren sie bereits Tage vor dem großen Ereignis ausverkauft. Anlässlich des Ereignisses hatte das Deutsche Zentrum in Oberpfaffenhofen zu einem Riesenfest eingeladen.
Der Wetter-Prophet Jörg Kachelmann moderierte die Show, Gäste waren unter anderem Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Aber auch die heimische politische Prominenz war vertreten. Unter anderem Landrat Heinrich Frey (verstorben im April 2022) sowie Weßlings Bürgermeisterin Monika Meyer-Brühl (Dezember 2024 verstorben), Gautings Bürgermeisterin Brigitte Servatius (30. Juni dieses Jahres) wie auch Kraillings ehemaliger Bürgermeister Dieter Hager, der heute seinen Ruhestand genießt. Ich aber war für den Starnberger Merkur da, um über das Ereignis zu berichten.
Und weil die Welt damals noch irgendwie in den Fugen war und Humor auch unter den Politikern nicht übel genommen wurde, erlaubte ich mir einen spontanen fotografischen Scherz. Ich bat also die Polit-Promis, sich doch schon mal vorab der totalen Sonnenfinsternis für das Foto aufzustellen. Denn, wenn es später dunkel und die Aufregung am größten ist, erklärte ich, kann ich kein gescheites Foto mehr machen. Was anstandslos sofort umgesetzt wurde. Da standen sie nun, auch Fritz David, das Herz der CSU, war mit dabei. Er starb im Dezember 2011. Ein Mann, der sich die Regie innerhalb seiner politischen Aufgaben selten aus der Hand nehmen ließ, ordnete sich brav meinen Anordnungen unter.
Kaum hatten sich die Protagonisten zusammen gestellt und ihre Brille aufgesetzt, dirigierte ich sie etwas nach links, a bißerl wieder nach rechts, ihr müßt nach oben schauen, „Ilse“, damals CSU-Bundestagsabgeordnete, „Ilse, Du musst Deinen Kopf ein bißerl mehr zurück legen“, und so weiter und so fort… Irgendwann bestätigte ich, das Foto war längst im Kasten, dass sie allesamt super stünden und sich bitte nicht mehr bewegen dürfen. Ich aber verließ zum Spaß der umliegenden Gäste den Schauplatz und beobachtete, aus der Ferne, wie sich das Gruppenbild weiter entwickeln würde…
Man beachte explizit Ilse Aigners weit zurück liegenden Kopf… Da standen sie nun, stocksteif, und warteten auf das erlösende Wort, sich wieder bewegen zu dürfen und die Brillen abzunehmen. Bis Heinrich Frey irgendwann ganz laut sagte, „ich glaube, die Matz hat uns reingelegt und ist längst verschwunden“. Ja, wir verstanden es damals noch, gemeinsam zu feiern, die Mitmenschen zu achten und auch hin und wieder mal, die Politiker ungestraft aufs Korn zu nehmen. Und „Matz“ ist in Bayern übrigens kein Schimpfwort, eher eine Liebkosung.
Und hier noch ein kleiner Rückblick: Deutschland sah damals generell noch ganz anders aus. Bundeskanzler war Gerhard Schröder (SPD), der erst wenige Monate zuvor Helmut Kohl abgelöst hatte. Bezahlt wurde mit der D-Mark, denn Euro-Münzen und -Scheine sollten erst Anfang 2002 kommen. In den Hosentaschen steckten Nokia-Handys statt Smartphones, ins Internet ging man mit knarzenden Modems, und wer Fotos von der Finsternis machen wollte, brauchte meist noch einen Film in der Kamera (Quelle: Bildzeitung).
Foto/Text: Uli Singer



