Den Jugendlichen zuhören, lautet der Appell an das Gilchinger Ratsgremium
Gilching – Carsten Neder und Max Fuchs heißen die beiden Streetworker, die seit März für Jugendliche und junge Erwachsene in der Gemeinde Gilching Ansprechpartner sind. Im Rahmen der Ratssitzung am Dienstag stellte sich Neder vor und informierte das Gremium über ihre Arbeit. Applaus war dem Weßlinger Familienvater gewiss.
Nein, eine spezielle Ausbildung zum Streetworker habe er nicht, räumte Carsten Neder auf eine Frage aus dem Ratsgremium ein. Was ihm vielleicht sogar zugutekommt, da die Praxis oft mehr lehrt als jede Schulung. Er versicherte aber, „ich bin pro Jugend und kein verlängerter Arm der Eltern“. Ein Motto, das durchaus Sinn macht.
Aufgrund der vergangenen kurzweilig angestellten Streetworker, die etwas planlos wirkten und auch nicht oft sichtbar waren, wirkte Neder bei seiner Vorstellung durchaus kompetent. Zuletzt war es Elke Leicht-Krohn, die als Streetworkerin guten Kontakt zu den Jugendlichen hatte und ihre Klientel auch zu etlichen öffentlichen Aktionen – unter anderem eine Fotoausstellung in der alten Villa – ermunterte. Leider hörte sie 2018 nach zehn Jahren im Amt auf, um ihre Mutter in Nürnberg zu pflegen.
Zurück zu den Neuen. Um für die Jugendlichen gleich erkennbar zu sein, haben sich Neder und Fuchs in ein auffallendes Outfit geschmissen (siehe Titelfoto). Des Weiteren gebe es Visitenkarten, die großzügig verteilt würden. Im Übrigen seien sie auch medial gut aufgestellt, so dass Jugendliche, der heutigen Zeit entsprechend, unter anderem über TikTok und Instagram Kontakte knüpfen können. „Wir mussten erst mal Vertrauen schaffen. Anfangs glaubten einige ja, wir sind Zivil-Polizisten. Aber mittlerweile läuft es ganz gut.“
Zwar lasse sich die Zahl der zu begleitenden Jugendlichen nicht genau beziffern. Überschlagen werden es zwischen 20 und 30 Klienten sein, die bei familiären Nöten wie auch bei beruflichen Stolpersteinen Hilfe bräuchten, betonte Neder. „Unter anderem begleiten wir sie zu Gesprächen im Job-Center, helfen bei Bewerbungsschreiben oder sind einfach nur ein Bindeglied zwischen den Jugendlichen und Behörden. Wichtig ist aber jede Unterstützung im Alltag, wozu auch Mobbing gehört.“
Als ein erstes Projekt wurde mit der Gruppe ein Song aufgenommen, der positive Stimmung transportiert und den Jugendlichen auch viel Spaß gemacht habe, so Neder. Er wollte ihn auch den Räten vorspielen, leider hat einmal mehr die Technik versagt.
Insgesamt stehen den zwei Streetworkern je 19,5 Stunden pro Woche zur Verfügung. Beliebte Treffpunkte der Jugendlichen, die auch von Neder und Fuchs aufgesucht werden, seien der Baggersee, der Skaterplatz, der Rathaus-Park, der Pausenhof an der Arnoldus-Grundschule beziehungsweis am Christoph-Probst-Gymnasium sowie der McDonalds an der Autobahn-Tankstelle. Da der Alkohol nach wie vor eine große Rolle spiele, seien ab neun Uhr abends keine „tiefsinnigen Gespräche“ mehr angesagt, räumte Neder ein. „Das sind so Orte, wo wir dann mit Wasserflaschen auftauchen, um schlimmeres zu verhindern.“ Abschließend richtete Neder einen dringenden Appell an das Ratsgremium: „Bitte, hören Sie den Jugendlichen zu und schimpfen nicht nur über sie, wenn sie sich danebenbenehmen. Wenn wir es zusammen anpacken, erreichen wir viel, viel mehr.“
Uli Singer
Foto: streetwork-gilching.de



