Verbannung der Radfahrer auf die Römerstraße ist vom Tisch
Der Gilchinger Gemeinderat stimmte mehrheitlich für die weitgehende Beibehaltung der alten Regelung
Gilching – Gleich mal vorneweg: Der umstrittene Beschluss des Umwelt- und Verkehrsausschusses in Gilching, die Radfahrer, die bisher an der Unterführung Römerstraße einen parallel, jedoch höher gelegten Gehweg mit nutzten, auf die verkehrsreiche Straße zu verbannen, ist ad acta gelegt. Nicht nur zahlreiche Proteste aus der der Bürgerschaft, auch die Polizei sowie der Planer vom Planungsbüro Kaulen erklärten die Neuregelung für nicht sinnvoll. Der Beschluss wurde aufgehoben – es bleibt, bis auf kleine Änderungen, so, wie es war. Fußgänger und Radfahrer teilen sich den Weg, wobei Rücksichtnahme angemahnt wurde.
Wie berichtet, stimmte der UEV-Ausschuss in seiner Juli-Sitzung mit der Stimme von Bürgermeister Stefan Siegl (FW) mit 6:5 pro Neuorientierung inklusive eines Verbots für Radfahrer, den Gehweg weiterhin zu nutzen. Sie sollten nun laut Beschluss auf die verkehrsreiche Römerstraße ausweichen. Als Ausnahmen wurden Kinder bis zehn Jahren und deren Begleiter aufgeführt.
Aufgrund dieser Ausschuss-Entscheidung ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Unter anderem wegen der engen Römerstraße (7.10 Meter), bei der die Rad fahrenden Verkehrsteilnehmer dem Kraftfahrzeugverkehr weit unterlegen wären. Dazu kommt, dass die Fahrbahn von der Unterführung bis zur Kreuzung Landsberger Straße eine Steigung von acht Prozent aufweist. „Für ältere oder behinderte Radfahrer schier unmöglich, dies zu bewältigen“, wurde mehrmals angemahnt.
Siegl, der die Verlegung der Radfahrer auf die Römerstraße favorisierte, er sprach von zahlreichen Unfällen mit Knochenbrüchen, die zwischen Fußgänger und Radfahrer am Gehweg passierten, war aufgrund der vielen Proteste bereit, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen.
Im Rahmen der sehr zeitintensiven wie auch hitzigen Diskussion am Dienstag mahnte Stefan Hartmann (FW), dass die Stellungnahme der Polizei, in der sich Gautings Polizeichef Andreas Ruch klar gegen eine Verlegung der Radfahrer auf die Römerstraße aussprach, vor einer Entscheidung im UEV-Ausschuss eingeholt hätte werden müssen. Was Siegl so nicht mittrug. Vielmehr hatte er im Rahmen der Diskussion bereits erklärt, dass die Stellungnahme „unterste Etage“ gewesen sei, und „wenn sich die Polizei so äußert“, sei dies „höchst unanständig“.
Nun soll die gemeinsame Nutzung des Gehwegs so bleiben, wie es sich laut Martin Fink (CSU) seit 1984 bewährt habe. Wobei die Radfahrer selbst entscheiden können, ob sie, der Schrittgeschwindigkeit angepasst, den Gehweg oder temporeich und sportlich zwecks der Steigung die Römerstraße nutzen wollen. Als Sicherheit soll ein neues Schild mit „Radfahrer überholen verboten“ und ein Piktogramm auf mehr Rücksichtnahme der Zweiradfahrer hinweisen. Außerdem empfahl Planer Philipp Herzog vom Ingenieur-Büro Kaulen, der eingangs einen Vortrag generell zu Maßnahmen entlang der Römerstraße hielt, die Einführung von Tempo 30. Gegen die Stimme von Roland Schrafstetter (CSU) wurde die Neuregelung zur Kenntnis genommen. Entscheiden über das neu erarbeitete Konzept wird der Gemeinderat in einer weiteren Sitzung.
Uli Singer



