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Vier engagierte Persönlichkeiten erinnern sich an ihren ersten Schultag

Landkreis – Der erste Schultag ist für die meisten Kinder etwas ganz Besonderes. Mehr aber noch die Schultüte, die Anfang des 19. Jahrhunderts (erste Belege stammen aus den Jahren 1817 und 1810) in Sachsen und Thüringen – vor allem in Städten wie Jena, Dresden und Leipzig – erfunden wurde. Karl Roth, Rosmarie Brosig, Maxi Eckhart und Oliver Kübrich erzählen, was sie konkret noch an ihren ersten Schultag erinnert und welche Erwartungen sie an den so genannten „Ernst des Lebens“ hatten?


Rosamarie Brosig, engagierte Kommunalpolitikerin – zuletzt im Gemeinderat für die „Bürger für Gilching“ (BfG) vertreten:

1. Wenn Sie Ihr Einschulungsfoto anschauen: Sieht man da schon den Adlerblick der späteren Gemeinderätin, der kein Fehler im Aktenordner entgeht?

Brosig: Lächelnd aber schon mit dem Hintergedanken: Ich werde es euch zeigen was in mir steckt

2. War in Ihrer Schultüte damals eher die süße Bestechung – oder war schon eine Lupe versteckt, um das Kleingedruckte in den Schulbüchern zu prüfen?

Brosig: Für mich war von Anfang an klar, dass es sich um eine Bestechung handelt.

3. Haben Sie bereits am ersten Schultag die aufgebrummten Regel der Lehrer hinterfragt, oder haben Sie den Verantwortlichen eine Schonfrist gegönnt?

Brosig: Ich denke, ich war zurückhaltend, brav und eifrig im Lernen. An Fräulein Stahl, Lehrerin der 1 – 4. Klasse, habe ich nur gute Erinnerungen. Sie mochte mich und förderte mich im Lernen. Bei Herrn Kopp (Lehrer ab der 5. Klasse) merkte ich bald, dass Buben und Mädel unterschiedlich behandelt werden. Noch heute kränkt mich eine Ausgrenzung. Als wir nämlich mal, die Buben und ich, die Mädl ärgerten, bekamen die Buben alle eine Watschn. Ich wurde ausgegrenzt, was mich tief kränkte.


Karl Roth, (* 5. August 1954 in Neuhütten). Roth war von 1996 bis 2008 Erster Bürgermeister der Gemeinde Andechs und von 2008 bis April 2020 Landrat des Landkreises Starnberg.

Welches Detail auf Ihrem Erstklässler-Foto verrät schon den späteren Bürgermeister von Andechs?

Roth: Meine Einschulung war wahrscheinlich am 1. Oktober 1960 (Rückseite des
Fotos) in der Volksschule Neuhütten im Spessart. Mein Zupacken der Schultüte könnte eventuell schon ein Indiz für eine meine spätere Berufswahl stehen. (Hihi!)

Naja, war nur eine Vermutung. Denn welches Schulkind hält seine prall gefüllte Schultüte nicht kräftig im Arm und signalisiert damit: „Finger weg, sie gehört mir!“.

Was war das Wichtigste in Ihrer Schultüte – und was müsste heute in einer „Bürgermeister-Schultüte“ stecken, um die Gemeindefinanzen zu retten?

Roth: Das wichtigste in den damaligen Schultüten waren die Süßigkeiten, von denen es zur damaligen Zeit nur wenig gab. Und was selten ist, wird auch mehr begehrt. Oder?

In einer Bürgermeister-Schultüte sollte zur Rettung der Gemeindefinanzen
a) ein Leitfaden „Wie sichere ich die Gemeindefinanzen“,
b) die Mailadresse und Telefonnummer des Finanzministers und
c) ein Rotstift für dringend notwendige Kürzungen und Streichungen zu finden
sein.

Haben Sie in weiser Voraussicht schon am ersten Schultag auf dem Pausenhof verhandelt und geschlichtet – oder ging es da eher noch unbeschwert und stürmisch zu?

Roth: Verhandelt wurde im Pausenhof nicht, warum auch? Da wurde gerangelt und gerauft und
rumgetobt und ohne Hintergedanken um sein eigenes Recht gekämpft!


Maximilian Eckhart, 20 Jahre jung – dennoch extrem engagierter Mitbürger, der hilft, wo Hilfe Not tut. Unter anderem bei der FFW Gilching. Berufswunsch: Politiker

MAXIS STATEMENT ZUM ERSTEN SCHULTAG

Definitiv, sehe ich auf dem Foto einfach nur einen süßen kleinen Jungen. 😂 Ich glaube, an Wahlplakate oder Kommunalpolitik habe ich damals wirklich noch keinen einzigen Gedanken verschwendet. Da waren die Schultüte, die neuen Klassenkameraden und die Frage, was mich in der Schule überhaupt erwartet, deutlich wichtiger.

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich Jahre später tatsächlich mal auf einem Wahlplakat im Fünfseenland hängen würde, hätte ich ihn wahrscheinlich nur ziemlich verwirrt angeschaut. 😄

Denke ich an meine eigene Schultüte zurück, waren die Süßigkeiten wahrscheinlich mit Abstand die beste Investition. 😂 Viel länger als bis zum Abend haben die meisten zwar nicht überlebt, aber die Freude darüber war damals riesig.

Wenn ich heute eine Schultüte packen müsste, die wirklich alle Generationen glücklich macht, wären natürlich Süßigkeiten für die Erstklässler drin. Für den Seniorenbeirat würde ich noch Kaffee und vielleicht etwas zum Naschen dazupacken. Und ein bisschen Taschengeld darf natürlich auch nicht fehlen – darüber hätte ich mich damals wahrscheinlich genauso gefreut wie heute. 😄3. Ich weiß noch, wie ich an meinem ersten Schultag mit meiner Schultüte in der Hand dastand und natürlich überhaupt nicht wusste, was mich jetzt erwartet. Ich war aufgeregt, gleichzeitig aber auch total neugierig. Plötzlich waren da so viele neue Gesichter, eine neue Lehrerin, ein neues Klassenzimmer und man musste erstmal schauen: Wo setze ich mich hin, mit wem verstehe ich mich und wie läuft das hier eigentlich alles?

Rückblickend war genau das vielleicht schon die erste kleine Vorbereitung auf die Kommunalpolitik. Man kommt irgendwo neu rein, muss erstmal zuhören und die Leute kennenlernen. Man merkt ziemlich schnell, dass nicht jeder derselben Meinung ist und trotzdem muss man miteinander auskommen. Und manchmal braucht man eben auch ein bisschen Geduld, bis man seinen Platz gefunden hat. 


Oliver Kübrich (74), langjähriger Leiter der Roßstallbühne in Germering – heute engagiertes Mitglied im Seniorenbeirat in Gilching

Welcher Blick auf Deinem Erstklässler-Foto war rückblickend schon die perfekte Dramaturgie für Deine spätere Theaterkarriere?

Der Blick ist wohl eher skeptisch, das Lächeln süßsauer, wohl von der Massenabfertigung geprägt, die da herrschte. Es war mehr so eine Reihenaufnahme mit drapierten Schulutensilien, die mir gar nicht gehörten. Der Blick sagt: Ich lächle mal, ohne zu wissen, ob diese Veranstaltung „Schule“ überhaupt etwas für mich ist.

Wenn Deine Schultüte eine Theater-Requisite gewesen wäre: War sie das große Drama (überladen und schwer) oder eine eher komödiantisch mit überraschendem Inhalt?

Ich kann mich erinnern, dass meine Schultüte fast mannshoch war. Mit blauem Glitzerpapier bezogen, und gefüllt mit gesundem Obst und den damals üblichen Süßigkeiten. Eine Tafel Schokolade wird es wohl gewesen sein. Katzenzungen waren damals auch sehr beliebt. Oder Schokoladenzigaretten?

Der allererste Weg ins Klassenzimmer: War das für Dich damals schon der große Auftritt auf der Lebensbühne – oder hattest Du grauenvolles Lampenfieber?

Ich war (und bin) schrecklich schüchtern. Schon damals hatte ich schreckliches Lampenfieber, was sich aber im Lauf von siebzig Jahren komplett verflüchtigt hat. Damals war alles ja auch sehr unspektakulär. Es gab keine Schultherapeuten, die uns auf dem manchmal steinigen Schulweg begleiteten. Obwohl, das manchem (mir vielleicht auch) ganz gutgetan hätte.


Uli Singer

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