1000 Models im Haus – und keines läuft über den Laufsteg
Ingrid Schirmer sammelt seit ihrer Kindheit kunstvoll gearbeitete Raritäten aus aller Welt
Germering – Wer kennt es nicht? Erst mal ein seltenes Stück ergattert, dann werden es zwei, zehn und immer mehr. Heute zieren rund 1000 Model die Wände von Ingrid Schirmer aus Germering. Model aus aller Herren Länder und aus verschiedenen Epochen. Das älteste Model soll rund 200 Jahre alt sein.
Mit der Sammelleidenschaft wurde Ingrid Schirmer schon als Kind infiziert. „Als Vierjährige war ich begeistert von einem Glaskasten bei meiner Großmutter, in dem verschiedene Model aufbewahrt wurden. Als ich fünf war, starb meine Oma und vererbte mir den Glaskasten samt Inhalt. Weil wir damals in unserer Wohnung keinen Platz dafür hatten, wurde er erst einmal im Keller aufgestellt. Den habe ich wie meinen Augapfel gehütet und habe ihn heute noch“, betont die 82-Jährige.
Aufgewachsen war Schirmer im Raum Mindelheim, vor 60 Jahren zogen sie und ihr Ehemann nach Germering. Von Kindesbeinen an suchte sie die Herausforderung, was immer es auch war. „Ich wuchs auf einem Bauernhof auf, half überall am Hof mit, war Hausfrau und zog zwei Kinder groß. Ich habe aber schon immer meine Talente genutzt. Als meine Tochter mit 14 Jahren einen Töpferkurs besuchte, trieb mich die Neugierde dazu, ebenfalls daran teilzunehmen. Da hatte ich mein wahres Talent entdeckt. Seither töpfere ich und leitete anschließend sogar 40 Jahre lang die Töpferkurse bei der VHS in Germering.“
Außer Töpfern schnitzt sie leidenschaftlich an ihrer Werkbank unterschiedliche Model oder auch mal einen Stier mit Hörnern und mit etwa 40 Zentimetern Höhe. Zudem sammelt sie alles – Bierkrüge, Vasen, Porzellanfiguren – was nach Rarität aussieht und was in ihrem gemütlichen Häuschen Platz findet.

Als ihr dann vor etwa 18 Jahren die Schwiegermutter eine Schachtel voll Model hinterließ, übermannte sie der Ehrgeiz, sie zu sammeln. Selbst auf die Gefahr hin, dass vielleicht der Platz dafür eng werden könnte. Kein Land, in dem sie war, ohne auf Spurensuche zu gehen. Sie besuchte unter anderem Sri Lanka, Indien, Nepal und Malaysia. „Ja, hin und wieder findet man dort auch mal ein Model, aber eher selten. In Holland entdeckte ich zufällig eines mit einer Buddha-Schnitzerei und nahm es mit. Ansonsten sind es die Flohmärkte in Bayern und Südtirol, wo man noch seltene Exemplare findet.“
Mittlerweile sind es 1000 Exemplare, die Schirmers Haus in sämtlichen Räumen und die Wand entlang im Treppenhaus zieren. Abstauben? „Nein, muss nicht sein. Ich stehe aber immer wieder gerne davor, schaue mir meine Fundstücke an und freue mich darüber.“
Obwohl sie nicht weiß, wer die Exponate nach ihrem Tode übernehmen wird – Ingrid Schirmer sammelt mit Begeisterung weiter. Weshalb man sie kürzlich bei „Villa Arte“ in Gilching antraf – dort findet gerade ein Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe statt – wo sie auf Reserve 100 Aufhänger für weitere Model kaufte. „Man weiß ja nie, was noch alles so kommt.“
Eine Bitte hätte die Sammlerin dann doch noch: Sollte ein Museum oder eine ähnliche Einrichtung daran interessiert sein, die Sammlung nach ihrem Tode ganz oder teilweise zu übernehmen, Kontaktaufnahme ist unter Telefon 08105-26538 (Uli Singer) möglich.
Uli Singer



