Wirtschaftsministerin Ilse Aigner informiert sich beim DLR über digitale Medizin – Rückblick ins Jahr 2017
MEIN ARTIKEL VOM NOVEMBER 2017 für den Kreisboten
Oberpfaffenhofen – Für viele ist es eine Horror-Vorstellung, in nicht allzu ferner Zeit durch Roboter versorgt zu werden. Nicht so für das Team im DLR, das sich unter anderem dies zum Ziel gesetzt hat. „Wir wollen keine menschliche Zuwendung ersetzen, sondern den Roboter dort einsetzen, wo er wertvolle Dienste leistet“, erkärte Gerd Hirzinger anlässlich einer Förderung in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro für das von ihm gegründete DLR-Institut für Robotik und Mechatronik.

„SMILE“ nennt sich die neueste Entwicklung auf dem Bereich Digitale Medizin und Pflege-Assistenzsystem innerhalb des DLR-Institut. „Das Ziel von Smile ist es, Menschen mit Bewegungseinschränkungen zu einem selbständigeren Leben zu verhelfen“, betonte die DLR-Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund.
Ehrengast war Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, in der Tasche einen Förderbescheid in Höhe von 1,5 Millionen Euro zum Aufbau der SMILE-Servicerobotik für Menschen in Lebenssituationen mit Einschränkungen. „Bayern ist einer der weltweit führenden Medizintechnikstandorte. Insbesondere digitale Anwendungen und Assistenzsystem gewinnen in der Pflege immer größere Bedeutung“, sagte Aigner.
Aus seiner langjährigen Praxis berichtete Gerd Hirzinger. Der 72-Jährige Seefelder gehört zu den Pionieren der Weltraum-Robotik, baute das Institut im DLR auf und leitete es bis 2012. Außerdem ist er geistiger Vater von “Rollin Justin”, einem metallblau schimmernden humanoiden Roboter auf Rollen, der 2008 erstmals öffentlich seine Fähigkeiten präsentierte. Er kann Bälle fangen, Bier einschenken, den Boden kehren und die Fenster putzen. Eine optimale Haushaltshilfe, die nun weiter entwickelt auch Menschen mit Handicaps zur Hand gehen können, sagte Hirzinger.
Er ist seit 2013 offiziell im Ruhestand, jedoch weiterhin in beratender Tätigkeit für das DLR und die TU München tätig. Für Hirzinger braucht der künftige Roboter keine vermenschlichten Glupschaugen und auch kein Gesicht, sondern vielmehr einen Bildschirm, um mit Angehörigen oder Betreuern zu kommunizieren. Mittlerweile sei die Entwicklung laut Hirzinger soweit fortgeschritten, dass der Roboter per Touchscreen aus der Entfernung gesteuert werden könne.
Laut Institutsleiter Alin Albu-Schäffer sollen die Roboter vor allem in der Pflege eingesetzt werden. „Die Oma ruft bei der Tochter an, weil sie ihre Tabletten braucht und diese steuert aus der Entfernung den Roboter, damit er sie holt und portionsgerecht anrichtet.“ Dass Pflegeinrichtungen nicht umhin können, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, künftig mit Robotern zu arbeiten, sei angesichts der fehlenden Pflegekräfte keine Zukunftsvision mehr. Laut Albu-Schäffer werden im Jahr 2030 rund 328000 Pflegekräfte fehlen. „Die Technik wird es aber nicht alleine lösen können. Es wird immer noch der Mensch gebraucht.“
NOVEMER 2017 aus dem Starnberger Kreisboten



