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Mehr Biss für Grießnockerl

Weßling (12.03.06) – „Die Griaßnockerl brauchen mehr Biss“, sagt Lorenz Schmidt. Und rührt noch etwas Grieß dazu. Der Hochstadter Familienvater und dritte Bürgermeister der Gemeinde Weßling ist mehr ungewollt als geplant in die Rolle des Hausmanns hinein manövriert worden. Über 26 Jahre war er der Firma Agfa in München treu. Im Januar musste er im Zuge der Schließung der Agfa Photo AG seinen vertrauten Arbeitsplatz räumen. „Wir wurden in die Freiheit entlassen“, sagt Schmidt, nicht ohne einen gehörigen Schuss Zynismus. Jetzt lerne er in einer so genannten Qualifizierung- und Beschäftigungsgesellschaft, wie man Bewerbungsschreiben richtig verfasst. Dazu musste er einen einwöchigen Kurs besuchen. „Das war’s bis jetzt.“ Viel verspricht sich der langjährige Controller und Arbeitsplaner nicht von dieser Auffanggesellschaft. Außer, dass man ein Jahr lang einen relativ hohen Lohnausgleich bekomme. „Ich hoffe, dass ich so bald als möglich wieder im Arbeitsprozess eingebunden bin.“ Trotz Verlustes des Arbeitsplatzes, in das berühmte schwarze Loch sei er noch nicht gefallen, betont Schmidt. „Es gibt auch hier viel zu tun.“ Die Zeit nutzt er, Ehefrau Uschi, die als Lehrerin an der Realschule in Herrsching arbeitet, im Haushalt zu entlasten und sich mehr noch als vorher um die Betreuung der zwei Töchter und des Sohnes zu kümmern. „Jetzt sehe ich erst, wie viel Zeit vergeht, nur um die Kinder in den Musikunterricht, zum Sport oder zu den Freunden zu fahren. Kaum dass man sich versieht, ist der Tag auch schon um.“
Weil Untätigkeit nicht sein Fall ist, habe er sich auch schon am Arbeitsplatz seiner Frau nützlich gemacht. „Die Schrauben im Physikraum mussten angezogen, Schränke funktionstüchtig umgebaut und Schubladen repariert werden“, sagt Schmidt. Ja, und auch die Verwaltung im Weßlinger Rathaus bekommt das Multitalent jetzt öfters als zuvor zu Gesicht. „Ich schau halt, ob es etwas zu tun gibt und wo ich die Bürgermeisterin eventuell entlasten kann.“
Eigentlich, sinniert Schmidt, „bin ich als Nur-Hausfrau voll ausgelastet“. Obschon ihm die Tätigkeit Spaß macht, der Job habe auch Nachteile. „Was mir abgeht, ist der tägliche Kontakt mit den Kollegen und die morgendlichen Arbeitsbesprechungen. Ich verstehe jetzt endlich die Hausfrauen, die mangels sozialer Kontakte auf die Heimkehr der Ehemänner warten, um das los zu werden, was den Tag über passiert ist.“ Uli Singer