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Weiß Ferdl war Zögling in Andechs

Rothenfeld (2005) – „Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Landsberg a. Lech, erbaut vom Kloster Andechs als Erziehungsanstalt; neubarocke symmetrische Anlage, Hauptgebäude mit Walmdächern und zentraler Kapelle mit Zwiebel-Dachreiter, ummauerter Hof mit vier winkelförmigen Gebäuden an den Ecken“, heißt es lapidar in den unterlagen zu den Liegenschaften, die im besitz des Freistaates Bayern sind. Dabei war das Anwesen Rothenfeld, idyllisch gelegen zwischen Andechs und Landstetten, schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine der modernsten Erziehungsanstalten Bayerns.
Die Initiative, im Kloster Andechs auch erzieherische Aufgaben zu übernehmen, geht auf Abt Bonifaz Haneberg (1854 bis 1872) zurück. „unter ihm blühte die Abtei Sankt Bonifaz und Andechs rasch auf“ heißt es im 1993 erschienenen Mammutwerk „Andechs – der heilige Berg“. „Auf Ansuchen des Staatsministeriums des Innern für Kirchenangelegenheiten und offenbar auf persönlichen Wunsch König Maximilian II. erhielt das Priorat Andechs, neben der stiftungsgemäßen Funktion als Wirtschaftsgut von Sankt Bonifaz, für fast siebzig Jahre eine zusätzliche, stark belastende Aufgabe.“ 1856 gründete Abt Haneberg die „Nikolausanstalt“, ein „Rettungs- und Erziehungshaus“ für verwahrloste und gefährdete Jugendliche. Aus ihr gingen nicht nur tüchtige Handwerker, Lehrer und Priester hervor. Auch der berühmte Münchner Volksschauspieler und Volkssänger Weiß Ferdl (1883 bis 1949), der eigentlich Weißheitinger hieß und in Altötting geboren wurde, war einer derjenigen, die in Andechs auf den richtigen Weg gebracht werden sollten.
Eine neue Ära brach für Andechs unter Abt Gregor Danner (1904 bis 1919) an. Er ließ es sich laut Überlieferung nicht nehmen, jede Woche einen oder gar mehrere Tage auf dem Heiligen Berg zu verbringen. Als wesentliche Aufgabe sah der Benediktiner, wie schon Abt Haneberg, die Betreuung der Jugend an. Waren es bisher vorwiegend Waisenkinder, die in der Nikolausanstalt schulisch gefördert wurden, sollten fortan auf Drängen des Staates auch sozial geschädigte Kinder aufgenommen werden. Es entstand die Idee, in der Schwaige Rothenfeld eine Dependance aufzumachen. „Es war für die damalige Zeit ein erstaunlich sozialer Plan, der nun in die Tat umgesetzt werden sollte.“ 1905 – also vor genau 100 Jahren – startete das Projekt. Bis zur Schließung der Anstalten, in Andechs 1925 und in Rothenfeld 1933, wurden insgesamt 4000 Zöglinge erzogen. Uli Singer