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Mönche bauten Telegrafenstation

Optische Telegrafenverbindung am Ammersee
Von Uli Singer
Andechs/Dießen – Welch’ ein Fortschritt. Während landauf landab mehrere Tage vergingen, bis wichtige Nachrichten ihr Ziel erreichten, nutzten die Mönche des Dießener Augustiner Chorherren-Stifts Bayerns erste optische Telegrafenverbindung. Über den Ammersee hinweg ermöglichte sie einen raschen Nachrichtenaustausch zwischen Dießen und Andechs einerseits sowie Dießen und Seefeld andererseits. Gebaut wurde sie 1801. Nach französischem Vorbild wurden mittels Teleskopspiegel optische Signale losgeschickt, die wiederum durch Fernrohre visuell aufgenommen wurden. Voraussetzung war eine freie Sicht. Deshalb wird heute angenommen, dass die Telegrafen und die dazu gehörigen Fernrohe im sieben Kilometer entfernten Andechs auf den weithin erkennbaren Klostertürmen installiert waren. Im 12 Kilometer entfernten Seefeld soll die technische Anlage auf dem dortigen Schlossturm gestanden haben. Federführend leitete das Projekt der letzte Dechant des Dießener Stifts, Pater Michael Rumelsperger. An dem Unternehmen beteiligte sich außerdem ein Konventuale aus dem Benediktinerkloster Andechs. Um die Genehmigung der obersten Verwaltungsbehörde in München für dieses Experiment zu bekommen, verwiesen die beiden Ordensbrüder „auf die wissenschaftliche Bedeutung dieses Vorgangs unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit im öffentlichen Interesse“.
Begeistert von der technischen Neuerung zeigte sich Johann Christian Freiherr von Aretin. Er war 1803 von der bayerischen Staatsregierung beauftragt worden, die von der Säkularisation betroffenen Klöster zu inspizieren. In einem Brief vom 20. Mai desselben Jahres preist er den „praktischen Wert“ des optischen Telegrafen, der seine Ankunft in Dießen sofort nach Andechs weiter meldete. Im Archiv für deutsche Postgeschichte ist festgehalten, dass der Freiherr „noch in der gleichen Viertelstunde die Antwort erhielt, dass der Prälat des Benediktinerklosters von Andechs ihn in Dießen besuchen würde“.
Die Telegrafenstation überdauerte die Säkularisation nicht. Fazit in der 1987 erschienenem Schrift des Archivs: „So blieben die wenigen Jahre, in denen die optischen Telegrafen vom Ammersee zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit behördlicher Genehmigung ihre guten Dienste versahen, eine kurze, doch um so bemerkenswertere Episode in der weiteren Entwicklung des Nachrichtenwesens unseres Landes. Die von dieser Zeit ausgehenden kulturhistorische Signalwirkung lässt sich nicht übersehen.“