IMPRESSUM/LINKS Startseite
DLR Oberpfaffenhofen WELTWASSERTAG 2013 WELTWASSERTAG 2012 FEST DER VEREINE DIREKT BESTELLEN NEWS BUCHTIPPS SCHIWAGU WEGGEFÄHRTEN HISTORIE ULI SINGER POLLYTOUR HEIMATBUCH RÜCKSCHAU 2009 LINKS

Die Weiße Rose verbrüdert sich mit Andechs

Andechs (Februar 2004) – Wäre der Anlass kein trauriger, könnte man angesichts des „christlichen Schelmenstücks“ fast Schmunzeln. Um wertvolle Bücher aus der Klosterbibliothek St. Bonifaz in München nicht den Nazis zu überlassen, starteten Mitglieder der „Weißen Rose“ und Pater Romuald Bauerreiß, Bibliothek in der Abtei, eine äußerst gewagte Rettungsaktion. 200 der wertvollsten Werke schafften sie anno 1942 in einer Nacht- und Nebelaktion in die Praxis von Alexander Schmorells Vater nach Harlaching. 25.000 Bücher wurden in die leer stehende Kloster-Mälzerei nach Andechs verlagert. Dem damaligen Abt Bonifaz Wöhrmüller hatte man die Aktion verschwiegen. „Denn wäre ein Verdacht aufgekommen, hätte er ruhigen Gewissens sein Nichtwissen bekennen können. Für mich hatte dies allerdings noch ein Nachspiel“, hielt Pater Romuald Bauerreiß in seinen Lebenserinnerungen fest.
Hans Scholl, zusammen mit seiner Schwester Sophie und den Freunden Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf, geistiger Mittelpunkt der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“, war durch seinen Studenten-Professor Carl Muth an Pater Romuald Bauerreiß verwiesen worden.
„Eines Tages fragte Hans, da eine mehr oder weniger vollständige Klosteraufhebung in der Luft lag: Herr Pater, wollen Sie die schöne Bibliothek den Nazis überlassen? Auf meine entsprechende Antwort fing er an zu disponieren und mit seinem Freund Schmorell in mitgebrachten Rucksäcken manche der wertvollen Werke abzutransportieren… Mich erbarmten die Jungen ob ihrer Schlepperei, aber sie ließen sich nicht abhalten. Zur Beschleunigung engagierten wir einen Dienstmann mit einem Vierräder-Wagen. Der brave Mann, ein alter Münchner, kam alsbald. Wir mahnten ihn zur Vorsicht, da ja schon ein Abtransport von der Klosterpforte aus auffallen musste. Er aber sprach: Herr Pfarrer, i hör Eahna schon. Da wird nix gredt.“
Ziel eines Bombenangriffs wurde St. Bonifanz in der Nacht von 9. auf 10. März 1943. Der zweite Stock mit Bibliothek brannte ab. Im Zuge einer Bestandsaufnahme der noch erhaltenen Werke war dem Abt nicht verborgen geblieben, dass es sich inklusive der verkohlten Bücher nicht um den gesamten Bestand der Abtei handeln könne. Mit der Inventur war der inzwischen nach Andechs übergesiedelte Pater Romuald beauftragt worden. „Ich war in einer peinlichen Verlegenheit und redete lange um die Sache herum.“ Dem rührigen Mönch blieb, um nicht selbst in Misskredit zu geraten, nichts anderes übrig, als Farbe zu bekennen. „Jetzt bestand das Kunststück darin, die Bücher wieder unauffällig aus dem Hause Schmorell zu bringen…“.
Das Unternehmen gelang. Die in Andechs und im Haus Schmorell geretteten Bücher bildeten den Grundstock für den Wiederaufbau der Bibliothek von St. Bonifaz. (Quelle: Andechser Bergecho)