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Als Einstein beim Schottenhammel...

Immer dann, wenn „o’zapft is“, strömen die Wiesn-Besucher auch zu Tausenden ins Traditionszelt Schottenhamel. Seit 1867 ist die berühmte Festwirtsfamilie auf dem Münchner Oktoberfest vertreten. Doch die wenigsten wissen, dass der Name Schottenhamel auch eng mit der Gemeinde Weßling verbunden ist. Michael Schottenhamel jun. lebte bis zu seinem Tod am 24. November 1968 am Weßlinger See. Sein Sohn Hans, der ebenfalls in Weßling zu Hause war, starb 1993. Nach ihm ist auch das Hans-O.-Schottenhamel-Gasserl benannt, das von der Hauptstraße hinunter zum Weßlinger See führt. Hans Schottenhamels Witwe Therese lebt nach wie vor in Weßling und freut sich mit ihren 79 Jahren bester Gesundheit und jedes Jahr auf den Start des Oktoberfests. „D’Wiesn is einfach mei Leben“, sagt sie. War sie doch bis 1987, so lange ihr Hans das Festzelt betrieb, immer mit dabei. „Aber nur hinter der Kulisse“ betont sie. Und da habe sie sich auch nur um die Bier-Abrechnung gekümmert.
Gegründet wurde der Festzeltbetrieb Schottenhamel von Michael Schottenhamel sen.. Er stellt anno 1867 erstmals auf dem Oktoberfest sein Zelt auf. Unruhige Zeiten herrschten damals. Im Jahr zuvor war die Wies’n wegen des 66er-Kriegs ausgefallen, 1870 fand sie wegen des 70iger Krieges nicht statt und 1873 fiel sie der Cholera zum Opfer. „Doch der Michel ließ sich nicht entmutigen“, ist im Festband anlässlich des 150jährigen Bestehens im Jahr 1960 nachzulesen. Schottenhamels Bierbude fasste rund 50 Personen, als Beleuchtung gab es Talgkerzen und Petroleumlampen.
1896 kaufte Michael Schottenhamel als erster ein Wiesnzelt mit Platz für bis zu 1500 Leuten. Bei ihm traf sich fortan der Adel, die Prominenz, die Bürgerschaft, aber auch die Studenten und Offiziere. 1912 ist „Michael I.“ beim Kartenspiel mit guten Freunden gestorben, „rüstig und rührig bis zum letzten Tag“.
Sein Sohn und Nachfolger war Michael Schottenhamel jun., der 1899 und 1927 zwei Anwesen am Weßlinger See erwarb. „Wer von den alten Weßlingern hat ihn nicht mehr vor Augen, wie er, etwas gebeugt über seinem Stock, mit kleinen, aber zielsicheren Schritten der Kirche zustrebte?“, schreibt Hans Porkert in der Chronik „Am Weßlinger See“.
Er selbst habe vom Biertrinken nicht viel gehalten, unter anderem auch deshalb, weil er sich in seiner Jugend als „erster bayerischer Radrennfahrer“ und Reiter sportlich betätigt habe. 1962 erhielt Michael II. als erster Wiesnwirt den Bayerischen Verdienstorden verliehen. Am 24. November 1968 starb er; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem alten Münchner Friedhof.
Dort ist auch Hans O. Schottenhamel begraben, der mit seinem Bruder Max speziell in der Nachkriegszeit den Schottenhamel wieder zu dem machte, was er einmal war. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute betreiben Peter und Christian Schottenhamel, Söhne von Hans und Max, das Festzelt. Eins vermisst Therese Schottenhamel: „Früher ist es halt viel gemütlicher zugegangen. Und die Auflagen waren auch nicht so streng.“
...mit einem kleinen Nachtrag soll die Geschichte der Festzelt-Familie Schottenhamel ergänzt werden. Wie berichtet, hatten Vorfahren der jetzigen Wiesnzelt-Betreiber in Weßling ihr Zuhause. Therese Schottenhammel, die Ehefrau des 1993 verstorbenen Hans Schottenhamel, lebt noch immer dort. Wobei sie von einem Kuriosum zu berichten wusste. „Albert Einstein hat bei Michael Schottenhamel Ende des 19. Jahrhunderts das Elektrische mit verlegt“, erzählt sie. Wie? Doch nicht etwa der Albert Einstein, der das mit der Relativitätstheorie ausgetüftelt hat?
Es stimmt tatsächlich. In einem Aufsatz über die Familie Schottenhamel ist nachzulesen: „Wer hätte es gedacht: schon seit 1867 ist die Familie Schottenhamel auf der Wiesn und damit das älteste Festzelt des Oktoberfestes. Fortschrittlich war man schon immer: im Schottenhamel gab es schon Elektrizität, als noch alle anderen Zelte mit Gas beleuchtet waren. Hier kabelte einst einmal Albert Einstein als Hilfselektriker, bevor es ihn zu bewegenderen Gedanken zog.“
Abwegig ist die Geschichte nicht. Albert Einstein, am 14. März 1879 in Ulm geboren zog schon ein Jahr später mit seinen Eltern nach München. Vater Hermann und Onkel Jakob gründeten eine elektrochemische Fabrik, die „Einstein und Cie.“. Michael Schottenhamel wiederum hatte im Jahr 1888 das elektrische Licht eingeführt. Es funktionierte jedoch häufig so schlecht, dass man zwischenzeitlich wieder Zuflucht zur alt hergebrachten Beleuchtung – Windlichter und Petroleumlampen – nehmen musste. In jenen Jahren hat sich Albert Einstein bei den Schottenhammels als „Helfer fürs Elektrische“ ein paar Mark dazu verdient.
Uli Singer