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A bißerl Hollywood am Ammersee

Inning – „A bißerl Hollywood am Ammersee“ titelt Autor Robert Volkmann ein Kapitel in seinem Inninger Geschichtenbuch. Dass die Ammerseegemeinde einmal Zentrum cineastischen Schaffens war, verdankt sie Hubert Schonger. „Dieser begeisterte Film- und Naturfreund hatte schon in recht jungen Jahren nach seinem Ingenieurstudium 1923 beim Amtsgericht Berlin sein Unternehmen eintragen lassen“, schreibt Volkmann. Unter dem Firmennamen „Naturfilm Hubert Schonger“ drehte der passionierte Regisseur, Autor und Produzent dann bis zu seinem Tode im Jahr 1978 eine wahre Flut an mehr oder weniger bekannten Streifen. Darunter auch naturkundliche und erdkundliche Filme für Lehrzwecke, Heimat-, Berg- und Märchenfilme. Schon bald baute sich der gebürtige Schwabe, geboren wurde er am 19. Oktober 1897 in Dillingen, in Inning eine Dependance zu Berlin auf. In seinen Erinnerungen zum 25-Jährigen Firmenjubiläum schreibt Schoner: „In Inning am Ammersee kaufte ich ein großes altes Bauernhaus mit einem Garten, durch den ein Bach fließt. Dort züchtete ich Bienen und war im Begriffe, ein ländlicher Philosoph zu werden…“. Daraus wurde nichts. Durch den Krieg gingen die Berliner Produktionsanlagen verloren. Einzig ein großer Teil des Filmbestandes konnte gerettet werden. „Gerettet war aber auch die alte Energie und Tatkraft“, so Schonger in seiner Festschrift. Er krempelte die Ärmel hoch und fing mit einem kleinen Team an Mitstreitern wieder von vorne an. Hinter seinem Inninger Wohnhaus baute er einen Schuppen, den er stolz „Atelier“ nannte. In den einstigen Stallungen und Scheunen wurden der Schneide- und Vorführraum untergebracht. Schon bald entstand im Dachboden des Hauses ein zweites Atelier und bereits 1953 finge Hubert Schonger an, das Inninger Filmgelände mit ordentlichen Studios auszustatten. Noch heute erinnern dort einige Gebäude, unter anderem die Squashhalle, an jene ruhmvolle Zeit. Als Schauspieler standen bei Schonger-Film unter anderem Beppo Brehm, Ludwig Schmitt-Wildy, Gunnar Möller und Hans Clarin unter Vertrag. Doch auch so manch’ Inninger Charakterkopf kam als Komparse zum Einsatz. Der wohl berühmteste war der junge Toni Mang, der später als Motorrad-Rennfahrer selbst zu Weltruhm gelangte. Im Wesentlichen blieb Schonger-Film bei den einmal eingeschlagenen Themenbereichen. Der Filmemacher hat sich aber auch außerhalb der filmischen Scheinwelt engagiert. Er gehörte um 1950 herum mit zu den Initiatoren des Pestalozzi-Hofes. Eine Einrichtung der Jugendpflege des Landkreises Starnberg in Kempfenhausen. Heimatlose Buben im Alter von 14 bis 18 Jahren sollten im Geiste Pestallozis eine „gute erzieherische und fachliche Ausbildung“ erhalten. „Das Unternehmen war von Anfang an als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert“, schreibt Volkmann. „Und dies in einer Zeit, die nach der gigantischen Verführung des Dritten Reiches nicht gerade von pädagogischen Optimismus geprägt war.“ Dass Schonger nach den Erfahrungen im Nationalsozialismus nicht aufhörte, an das Gute im Menschen zu glauben, demonstrierte er anlässlich der Festschrift zum 25. Firmenjubiläum: Eine von ihm gefertigte Zeichnung zeigt einen strahlenden Kasperl, der dem aus dem Propagandaministerium herausschauenden Goebbelsteufel eine lange Nase dreht. Nach Schongers Tod im Jahr 1978 wurden sowohl die Jugendeinrichtung wie auch das Filmstudio aufgelöst. Heute erinnern in Inning nur noch eine „Film-„ und eine „Atelierstraße“ an „a bißerl Hollywood am Ammersee“. Uli Singer
Quelle: Robert Volkmann „Geschichte und Geschichten“ – Inning mit seinen Ortsteilen Arzla, Stegen, Buch, Bachern und Schlagenhofen